Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Heinz Strunk in Afrika

© Ulf K.

Heinzer und seine Schlagercombo Tiffanys, der Schrecken der Provinz … Heinz Strunks Fleisch ist mein Gemüse hat man als ein schräges Meisterwerk in Erinnerung, urkomisch und tieftraurig. Die Süddeutsche Zeitung adelte in ihrer Besprechung Strunks Debütroman: Er gehöre «zum Interessantesten und Lustigsten, was die deutsche Gegenwartsliteratur im Moment zu bieten hat». Es ist der Ton, der bei ihm die Musik macht: die Mischung aus sperrigem Witz, Melancholie und brachialem Realismus.
Das macht auch den Reiz des Reiseberichts Heinz Strunk in Afrika aus, der jetzt mit Tim-und-Struppi-buntem Cover jetzt bei Rowohlt Polaris erschienen ist. Eigentlich wollten er und sein ewig grantelnder österreichischer Freund in Kenia über Weihnachten nur abhängen, aufs Meer gucken und im Spielcasino Geld auf den Kopf hauen. Und wo endet dieser Trip? Mitten in einem afrikanischen Bürgerkrieg …


Kein-Erlebnis-Reisen – genau das ist es, was Heinz Strunk und sein Freund C. unter entspanntem Urlaub verstehen. (Dass hinter dem Kürzel C. sich der Wiener Kabarettist Christoph Grissemann verbirgt, mochte Strunk in einem Gespräch mit der Hamburger Morgenpost weder bestätigen noch dementieren.) Die ganze Welt bereist und nichts gesehen, darum geht’s. Nicht den Hauch von Anspruch, irgendetwas von Land und Leuten mitzukriegen, geschweige denn, etwas Aufregendes zu erleben. Weil: «Das größte Abenteuer des Lebens ist die Abwesenheit von Abenteuer.» Erst recht gilt das für Kenia, das C. als Ziel der nächsten gemeinsamen Reise vorschlägt. Zweimal waren sie bereits in der Dominikanischen Republik, selbstverständlich im selben Hotel («Da weiß man wenigstens, wo alles ist»), nun also Kenia. Tiefstes Afrika, Arsch der Welt, Terra Incognita.

Nichts wie weg, weit weg …

Was weiß man denn schon von Kenia, außer «dass Ernst August von Hannover dort einen österreichischen Hotelier krankenhausreif geprügelt haben soll». Andererseits: Warum nicht mal Weihnachten in Afrika, Heiligabend in Badehose. Alles besser als Teneriffa, die Playa de las Americas – schlimmer als Nordkorea! «Eine Seniorendiktatur. Steinalte, verkohlte Truthähne, so weit das Auge reicht … Greise, die ohne Nutzen für irgendjemanden und ohne nennenswerte Erfahrung ihren endlosen Abendfrieden, die sinnlose Lebensverlängerung, den frech nach hinten geschobenen Tod genießen.»

Wasor dem Abflug nicht alles noch erledigt werden muss! Pumpernuckel-Diät, um auf ein badehosenkompatibles Kampfgewicht zu kommen. Impfpass suchen. Impfen lassen. Koffer packen. Neue Waschmaschine kaufen. «Führt IKEA mittlerweile eigentlich Waschmaschinen? IKEA, Kapitalismus zum Duzen, fällt mir ein. IKEA ist ein Scheißladen wie jeder andere auch, aber ich finde zumindest sympathisch, dass Gründer Chef und Multimilliardär Kamprad öffentlich zugibt, depressiver Alkoholiker zu sein.»

Autoreninfo

Der Schriftsteller, Musiker und Schauspieler Heinz Strunk wurde 1962 in Hamburg geboren. Er ist Gründungsmitglied des Humoristentrios Studio Braun und...
mehr über den Autor
Mombasa? «Total verwohnt, ein einziger Schrotthaufen …»

Das ist ihr erster Eindruck von Kenias Hauptstadt. Die Zimmer im Nyali Beach Hotel? Haupteinrichtungsgegenstand: Aschenbecher. Das Interieur: komplett in frischem Grau, Braun, Beige. Minibar: Fehlanzeige. Für die passende Lärmbelästigung im Foyer sorgt ein riesiger Kakadu, der munter nach des Neuankömmlings Finger hackt – und dafür von Herrn Strunk streng gemaßregelt wird: «Blödes FDP-Schwein. Wenn ich hier der Chef wäre, würde der Vogel längst im Keller hängen.» Irgendwie hat’s die FDP nicht leicht. Nicht in Berlin, nicht in Mombasa.

C. pflegt seinen Freund Heinzi oder Bursche zu nennen. Mit ihm will er zwei Wochen lässig die Zeit totschlagen, ein bisschen Whisky trinken, schöne Frauen begucken, im Spielcasiono die Kugeln rollen und die Karten fliegen lassen. Nur kein Stress. Und maximal ein Stadtausflug, versprochen. Außerdem wollen die beiden ja noch ein fettes Drehbuch schreiben, eine «hundertprozentige Komödie ohne Netz und doppelten Boden». So was wie «Drei Männer, drei Pudel, drei Motive», irgendwelches Turbulenzentralala, das bei der 21. Pudel Open seinen Ausgang nimmt … (Nein, das muss man jetzt nicht kapieren. Das muss man einfach lesen!)

Im Royal Casino von Mombasa verbrennen C. und sein Bursche jede Menge Kohle: an den Kugelautomaten und den Black-Jack-Tischen. Danach möchte C. in angesagten Bars «voll auf die Girls» gehen, was Heinz genervt so kommentiert: «Totaler Quatsch. Wir stehen eh immer nur rum.»

Jungle Bells, Jungle Bells ...

48 Stunden vor dem Rückflug ist es mit der Ruhe der beiden vorbei. Gepflegte Langeweile, Seniorenbashing, Shootout mit Familie Wolf: das war gestern: MP-Salven hallen durch Mombasa, Menschen laufen um ihr Leben, Militärjeeps rasen durch die Straßen, Ausländer buchen panisch ihre Flüge um. Die Wahlen am 2. Weihnachtstag in Kenia als Präludium eines blutigen Bürgerkriegs. Und Heinz und C.? Eher nur dabei als mittendrin, aber immerhin …

Gern würde man mit diesem launigen Buch eine DVD in die Hand gedrückt bekommen mit den schönsten Szenen. (Kriegt man aber nicht, leider.) «Die Dick & Doof der Pauschalreise, ein total verrücktes Ferienpaar, zwei Halunken im Bummsbomber oder was einem sonst noch so an witzigen Formulierungen einfällt.» Heinz und C. am Pool. Heinz und C., wie sie sich mit ihren jeweiligen Tagesbefindlichkeiten auf den Keks gehen. Heinz und C. in stiller Eintracht beim Massakrieren der verhassten Miturlauberfamilie Wolf mittels Trashtalk zu Fragen wie: Würdest du dir für 750.000 Euro in den Bauch schießen lassen? Würdest du für eine Million Euro zwanzig IQ-Punkte abgeben? Würdest du für 350.000 Euro ein Jahr in einer stark frequentierten Fußgängerunterführung leben?

Was soll man sagen? Irgendwie ein ganz anderes Buch zu Weihnachten. Ein kurzweiliges Vergnügen aus der Feder eines ausgewiesenen Weihnachtshassers.