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Sommer 1977, die letzten Wochen vor dem Deutschen Herbst. Eine bleierne Zeit, auch für den 16-jährigen Thorsten. Keine wilden Feuchtgebiete, nicht einmal Blümchensex – spätpubertäre Trockenzone, so weit das Auge reicht. Der eigene Körper, ein unbekannter Kontinent. Ein Vulkan, in dem fremde Kräfte wirken: berauschend, beängstigend, unkontrollierbar. Die christliche Ferienfreizeit an der Ostsee soll Farbe in Thorstens graues Leben bringen. Schließlich fährt ja auch Susanne mit, die Diva, die Unberührbare, das schönste Mädchen weit und breit …
Heinz Strunks Roman Fleckenteufel ist lustig, traurig und trashig, eine melancholisch-derbe Reminiszenz an die Freuden und Leiden des Erwachsenwerdens. Klar, ein bisschen eklig geht’s in den Untenrum-Romanen dieser Tage schon zu. Und ganz ohne Schamhaarspalterei kann es hier auch nicht abgehen.
Eine evangelische Sommerfreizeit an der Ostsee, in Scharbeutz, eine andere Art von Dschungelcamp. Eine gemischte Großgruppe aus Jugendlichen und Erwachsenen, geleitet von einem ziemlich verkorksten Dreigestirn: Pastor Schmidt, Diakon Wolfram Steiß, Gemeindehelfer Peter Sockler. Und mittendrin: Thorsten in der schlimmsten und aufregendsten Phase seines Lebens, der Pubertät.
Seine Lieblingslektüre (peinlich, peinlich, aber solange es keiner weiß ...): Landserhefte, Asterix & Obelix, Fünf-Freunde-Bücher. In letzteren werden ständig köstliche Sachen verputzt, ganz im Gegensatz zur Scharbeutz Verpflegungstristesse: Graubrot, Schwarzbrot, kranke Margarine, schlimme Augenwurst, Scheibletten, Hackbraten, Gurkenscheibchen, Tomatenachtel, Hagebuttentee, Muckefuck, Apfelsaft mit ein Prozent Originalfruchtanteil.
Christliche Freizeiten dieser Jahre bestehen aus Wanderungen, bunten Abenden und «einer ununterbrochenen Reihe von Andachten: Abendandacht, Morgenandacht, Stoßgebet, Gottesdienst, Messe, Betstunde». Thorsten quält sich durch die Tage und Nächte hindurch, «meine Hände ... feucht von Verzweiflung und bleischwerer Angst». Kaum Gelegenheiten, sich abzureagieren. Eine davon ist Völkerball, sein Lieblingsspiel: «Völkerball ist Krieg: Erstmal werden die Weiber abgeschossen, eine nach der anderen … Völkerball macht total Spaß, endlich fühle ich mich mal nicht unsicher und gehemmt und vergesse sogar, dass ich randvoll mit Scheiße bin».
Thorstens Problem (das auch Susanne, der Schönen, der Unberührbaren, nicht entgangen ist): Er ist klein, sehr klein noch, wenn er nur endlich wachsen würde, dann würden ihn auch die Mädchen anders oder überhaupt anschauen. Immerhinmacht er im Ferienlager Bekanntschaft mit Charles Bukowski, dem Wilden, Obszönen, Manischen, dem Mann mit der Ledertasche. «Ich spüre, dass die Landserzeiten endgültig vorübergehen, und beschließe, mir keine neuen Hefte mehr zuzulegen.»
«Regungslos sitze ich im feuchten Sand und werde ganz still, endlich ist es soweit, ich wachse.» Auch wenn er nachher gar nicht weiß, was mit ihm passiert ist und warum: In den Tagen von Scharbeutz löst sich in ihm ein Knoten, das Leben fühlt sich anders an als zuvor. Und das, obwohl der King tot ist, Elvis Presley, am 16. August 1977 in Graceland jämmerlich krepiert …