Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Hans Rath: Man tut, was man kann

© olly - fotolia.com; Markus Schädel (Autorenfoto im Rath-Spezial)

Vier Männer und ein Hund: Paul und Günther, Schamski und Bronko. Und Fred alias Felix, Pauls vierbeiniger Appendix. Zusammen sind sie eine Wohngemeinschaft wider Willen. Sie alle wollen nur eines: Liebe und Geborgenheit. Und sie alle haben ein Problem: Wie, bitte, funktioniert eigentich die Frau als solche? Hans Raths Roman Man tut, was man kann wird Ihnen die Lachtränen in die Augen treiben. Lassen Sie sich dieses Vergnügen nicht entgehen!

+++Zum Rath-Spezial mit Video und ersten Lesermeinungen+++

Nicht jede Buchbesprechung beginnt mit dem Hinweis, zum Ankosten einfach mal auf Seite 200 einzusteigen. Aber warum eigentlich nicht? In ein Kapitel, dessen Überschrift leitmotivisch für das ganze Buch stehen könnte: «Und jetzt?» Gucken wir einfach mal, was Paul Schuberth auf Seite 200 jetzt gerade so macht. Paul bereitet sich auf ein ungezwungenes Abendessen mit Iris vor. (Paul ist 42, frisch geschieden, solo, hat einen Doktortitel, ist Personalchef der Beuten Medien GmbH und auf der Suche nach einer Frau, nicht (nur) einer für die Nacht, sondern für den Rest seines Lebens; mehr brauchen Sie hier noch nicht zu wissen). Seriöse Abendvorbereitung heißt: Pediküre, Maniküre, Sauna, Rasur etcetera. Angezogen sieht Paul leicht overdressed aus, ein bisschen wie der britische Botschafter auf dem Weg zum Rapport im Buckingham Palace. Tierärztin Iris ist mit Jeans eher leger bekleidet, genau richtig fürs Coq e Lapin. Einfache französische Landküche, nichts Exzentrisches.

Nix Fish & Chips!

Nach dem Crémant und einer engagiert ausgetragenen Austerndebatte findet eine fulminante Meeresfrüchteplatte den Weg auf ihren Tisch, das kompositorische Meisterwerk des Küchenchefs, mit Wellhornschnecken, Garnelen und Crevetten, Venusmuscheln und Hummer und noch vielem meer. Wie die Lemminge stürzen sich die beiden Flirtenden lustvoll in bzw. auf die Meere dieser Welt: Was weiß ich, was du nicht weißt?

«Ich konstatiere, von den sieben Weltmeeren höchstens drei gesehen zu haben. Iris behauptet, die sieben Weltmeere überhaupt nicht zu kennen. Ich nehme diese Wissenslücke mit gespielter Entrüstung zur Kenntnis, weshalb sie mich so lange provoziert, bis ich bereit bin, die sieben Weltmeere aufzuzählen. Beim ersten Versuch komme ich auf zwölf Weltmeere. Eigentlich mehr, als Iris verlangt hat, aber die will ihre sieben Weltmeere, keins mehr und keins wenige. Ich ziehe erst mal die Ozeane ab, die ich einfach spontan nicht mehr zu den Meeren zähle, habe dann aber immer noch zwei Weltmeere zu viel. Mir fällt ein, dass die Binnenmeere eigentlich zu den Seen gezählt werden, dadurch kann ich meine Liste weiter verkürzen, allerdings mit dem Ergebnis, dass mir jetzt zwei Weltmeere fehlen …»

Der Abend ist lang, und Crémant und Weißwein fließen in Strömen. Irgendwie hat man den Eindruck, das könnte was werden mit Iris und Paul. Es gibt da nur ein klitzekleines Problem, eigentlich sind es drei: 1. Iris wird in wenigen Tagen heiraten, und zwar nicht Paul, leider. 2. Dr. Iris Jasper, geborene von Beuten, gehört, wie sich später herausstellt, zur Eigentümerfamilie des Verlags, in dem Paul der Posten des Vorstandsvorsitzenden angeboten wird. Und 3. Paul müsste in Ruhe über sich und sein Leben nachdenken. Kann er aber nicht, weil seine schöne, großzügig geschnittene Hier-wohnt-Paul-allein-Wohnung unglücklicherweise zum Experimentierfeld einer fünfköpfigen Mann-und-Hund-Zusammenrottung wurde.

Rückblende: Kathrin. Das mit Kathrin konnte nicht gutgehen, Paul wusste es schon schon nach dem ersten Abend: «Ich habe gerade zum ersten Mal mit Kathrin geschlafen. Sie ist eine tolle Frau, charmant, witzig, sexy, und sie weiß genau, was sie will. Eine Frau zum Heiraten, könnte man sagen. Ich bin deshalb auch sicher, sie findet eines Tages den Mann, der zu ihr passt und sie von ganzem Herzen liebt …» Später, nachdem er zig Mal mit ihr das Bett geteilt hat, ist Paul gar nicht mehr sicher, ob Kathrin trotz der Mega-Marotte mit dem großen Glas Apfel-Möhre-Fenchel Saft («mit einem Hauch Sellerie, Chérie!») für die Minuten danach nicht DOCH die Frau fürs Leben, also für sein Leben, sein könnte. Dieses Problem erledigt sich aber von selbst bzw. tut Kathrin das für ihn: «Ich habe gespürt, dass ich zu Rüdiger gehöre …» Und ab.

Autoreninfo

Hans Rath, Jahrgang 1965, studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie in Bonn. Er lebt in Berlin, wo er sein Geld unter anderem als...
mehr über den Autor
«Hallo Leute! Ich bin’s! Der Günther!»

Nun zu den WG-Männern, die Pauls kostbaren Wohnraum (samt beträchtlicher Teile seiner Zeit, Nerven und Weinvorräte okkupieren):

Günther ist so etwas wie Pauls best buddy und … na ja, eben Günther: «Ein 41-jähriger Dauersingle, der seine Chancen bei den Frauen glatt verdoppeln könnte, wenn er sich von dem Flokati-Imitat, das ihm von Gesicht baumelt und das er stolz ‹Vollbart› nennt, trennen würde … Wenn Günther sich für eine Frau interessiert, dann tut er alles, aber auch wirklich alles, um sie kennenzulernen, mit Ausnahme dessen, dass er sie einfach anspricht.» Kurz und gut: IT-Freak Günther ist ein Synonym für männliche Entschlossenheit und knisternde Erotik. Und doch beginnt sein Liebesglück mit Iggy, der Kellnerin aus seinem Stammlokal Pan Tao, als er beinahe achtlos folgenden Satz in seinen Flokati murmelt: «Ich hatte auch mal ’ne Katze …»

Schamski, Vorname: Guido. Ist Vertriebschef in Pauls Firma, auch er ein Vertrauter in wichtigen Lebensfragen. Wurde von seiner Frau vor die Tür gesetzt, weil sie ihm eine Affäre mit seiner Sekretärin unterstellt. Zu recht, absolut zu recht. Schamski raucht viel, trinkt viel, und sorgt dafür, dass in der Männerbude nachts auch schon mal eine splitternackte Dame (besagte Sekretärin) namens Frau Riebinger durch die Küche spaziert.

Bronko ist Künstler, brotloser Künstler, später dann Pauls Chauffeur («der Mann, der immer 30 fuhr»). Für Paul gehört Bronko in die Kategorie «glücklicher Idiot» (und dazu ist er noch der Bruder von Kathrin, d e r Kathrin). Gott hat nicht wirklich mit Talent nach Bronko geschmissen, außerdem hat er ihm als zusätzliche Herausforderung noch eine hübsche Sehbehinderung auf den Buckel geladen. Bronko weint seit Jahren einer verflossenen Liebe hinterher. Aber es gibt Hoffnung …

Und Fred? Ist schwer vermittelbar und deshalb bei Gutmensch Paul gelandet. Fred heißt eigentlich Felix und ist der traurigste Hund der Welt, eine Bullterrier-Jagdhund-Kreuzung. An Felix ist Paul durch seinen Job als ehrenamtlicher Hundeausführer beim Tierheim gekommen: «Um ihn nicht mit seinem Namen zu verhöhnen, nenne ich ihn Fred. Er hört zwar nicht auf ‹Fred›, aber das macht nichts, er hört nämlich auch nicht auf ‚Felix’. Er mag keine anderen Hunde, keine Kinder, keine Katzen, und mich mag er auch nicht. Letzteres hat ihn mir vom ersten Moment an sympathisch gemacht.“ Irgendwann bleibt Fred gleich in der Männer-WG; unter geschlagenen Männerkreaturen fühlt er sich (vergleichsweise) aufgehoben.

Wann ist der Mann ein Mann?

Außerdem treten u.a. auf: Pauls Ex-Frau Lisa (und deren neuer Freund Tommi, ein Ex-Rockgitarrist, der in seiner Häuslichkeit eine laktose- und glutenfreie Diktatur abzieht, aber ansonsten ein ganz brauchbarer Typ ist). Pauls lesbische Quasi-Stieftochter Sophie, die mit ihrer Freundin nach Detroit ziehen will (ausgerechnet Detroit!). Pauls Sekretärin Frau Hoffmann, die sich mit zäher Inbrunst der technischen Moderne verweigert, also Internet, E-Mail-Versand etcetera. Eigentlich hätte man sich längst von ihr trennen müssen, aber der Gedanke, ihr eine Abfindung «in Höhe des nigerianischen Bruttosozialprodukts» zahlen zu müssen, verschafft ihr eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Renteneintritt, dazu eine Vielzahl mehr oder minder schräger Vögel aus diversen Hierarchieebenen von Pauls Zeitungsverlag.

Wie das alles ausgeht? Ob diese Schicksalgemeinschaft, diese von gebeutelten Männern bevölkerte Arche Noah, umtost von einem Meer begehrenswerter, latent unerreichbarer weiblicher Wesen, ihr Glück findet? Finden Sie es heraus!

Es ist, wie wir alle wissen, ja nicht ganz einfach mit Männern und Frauen. Die Unterschiede liegen auf der Hand (und daran hat sich seit der Prähistorie verdammt wenig geändert): «Fragt man Männer nach dem Inhalt des Films Titanic, dann vergessen die meisten die darin vorkommende Liebesgeschichte zu erwähnen. Frauen hingegen kennen alle Details dieser Liebesgeschichte, können sich aber oft nicht mehr daran erinnern, dass das Schiff am Ende untergeht …»