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Die Fragen, warum Dr. med. Eckart von Hirschhausen so beliebt ist, einen solchen Erfolg hat, seine Bühnenshows umjubelt und ausverkauft sind, sein Erstling «Die Leber wächst mit ihren Aufgaben» das erfolgreichste Sachbuch des Jahres 2008 war, sein zweites Buch «Glück kommt selten allein …» die Bestsellerlisten anführt, unangefochten, dominant, wie einst der FC Bayern München die Bundesliga, diese Fragen sind im Grunde genommen leicht zu beantworten. Weil Dr. med. Eckart von Hirschhausen gut ist. Aber das sind andere vielleicht auch (na gut, nicht alle, die unter der Rubrik Komiker, Kabarettist vors Publikum treten, weiß Gott, nicht alle, man denke da nur an, äh, nee, wir wollten ja jetzt eigentlich gar nicht …), also andere sind vielleicht auch gut, aber dieser Arzt ist einfach besser!
Warum? Nicht darum! Jetzt erscheint im Herbst das Glückstagebuch, und dieses Bändchen erklärt vieles. Glückstagebuch, das könnte das Tagebuch des Erfolgsmenschen Hirschhausen sein, und wer wollte bestreiten, dass dieser Mensch Glück hatte und hat, nicht mal er selber bestreitet das. Aber es ist nicht das Tagebuch des Herrn. Oder es könnte ein Tagebuch sein, das in sieben Tagen das Glücklichsein verheißt, oder fünf Schritte zeigt, mit denen man das Glück erlangt, so wie man zum Beispiel in fünf Stunden vom Kettenraucher zum Nichtraucher mutiert. Aber das ist dieses Tagebuch auch nicht. Es ist ja noch nicht einmal geschrieben. Weil es mein Tagebuch ist, deins, unser aller Tagebuch, weil wir es selber schreiben müssen, nein, dürfen. Und das ist das Geheimnis. Hirschhausen ist kein Heilsbringer, der uns vorgaukelt, man müsse nur seinen Weg gehen, und schon ist der Kontostand ausgeglichen, der familiäre Zwist ausgestanden, die Arbeitslosigkeit nicht so schlimm, sondern eigentlich eine Chance, und alle Zipperlein sind verheilt. Er kommt uns andererseits auch nicht mit dem altklugen «Jeder ist seines Glückes Schmied», wer will dergleichen noch hören, wenn draußen die Wolken dunkel sind und drinnen die Sorgen nicht wegzudiskutieren.
Hirschhausen tut gar nicht so, als spielten sich die Fährnisse des Alltags nur in unseren Köpfen ab. «Wenn du denkst, dass du zu klein bist, um irgendetwas auszurichten, versuch doch mal, mit einem Moskito in einem geschlossenen Raum zu schlafen».
Treffender kann man wohl nicht sagen, wie sich die Dinge des Unglücks verhalten. Und dann liest man solche blitzgescheiten Vergleiche – und lacht. Man lacht, und lacht auf der nächsten Seite, und lacht auf der übernächsten Seite. Und trägt in sein Glückstagebuch ein: «Heute von acht bis zehn Uhr gelacht.» Was für ein Glück, dass der Mensch lachen kann.
(aus: Rowohlt Revue 88, Autor: Helmut Schümann)