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Geschenktipps - Teil 7

V. Wieprecht/R. Skuppin: Das Lexikon der verschwindenden Dinge

Wer sie nicht kennt, hat etwas verpasst. Volker Wieprecht und Robert Skuppin sind für Jörg Thadeusz nicht mehr und nicht weniger als «Deutschlands beste Radiomoderatoren». Darüber hinaus betreiben sie eine Multimediaagentur; ihre Kneipe Waschmaschinewsky in Berlin-Friedrichshain ist dagegen verschwunden, wie so vieles andere Erhaltenswerte auch, und genau davon handelt ihr Buch.

Dass uns die Welt entgleitet, weil nach und nach viele liebgewordene Objekte, Alltagsgegenstände und vertraute Phänomene plötzlich nicht mehr da sind, ist keine neue Erkenntnis. Aber was für eine gute Idee, dieser verschwundenen (oder verschwindenden) Welt ein eigenes Buch zu widmen! Ob Käseigel, Trockenshampoo oder Fernsehtestbild, Trimm-dich-Pfad, Käfer oder Tussenschredder – alles hat seine Zeit. Das gilt auch für jenes Fernsehvergnügen am späten Sonntagnachmittag, vom dem hier die Rede ist:

Bonanza: «Während die 68er den Generationenkonflikt in Straßenschlachten austrugen, ließen die Rancher aus dem Wilden Westen die deutschen Fernsehzuschauer an ihrem harmonischen Miteinander im Mehr-Generationen-Haus teilhaben. (…) Alle drei Söhne waren von verschiedenen Frauen, von denen jede auf tragische Weise ums Leben gekommen war. Die Jungs hatten den Absprung von der Ponderosa-Ranch nie geschafft, wohnten immer noch bei ‚Pa’. Sie verlobten sich nie, heirateten nie; jede Frau, die einem von ihnen schöne Augen machte, starb aus ungeklärten Gründen oder verschwand auf mysteriöse Weise. (…) Es entstand der Verdacht, die Cartwrights hätten eine der ersten Schwulen-WGs gegründet.»


CHRISTIAN ULMEN: FÜR UWE

Er ist ein Computerfreak, ein Nerd mit Holzfällerhemd und speckigem Bugs-Bunny-Basecap, eine Nervensäge, hart am Rande zum Sozialfall: Uwe Wöllner, Christian Ulmens Glanzrolle. Ein Außenseiter par excellence, der noch mit 30 zu Hause in Hannover-Garbsen lebt, seiner Umwelt schwer auf den Keks geht und dreimal in der Woche von Mama Milchreis mit Kirschen serviert bekommt. Bis eine fehlgeleitete Hockeykugel, abgefeuert bei einem Turnier von Niedersachsens Seniorinnen, Mama den Kopf zerschmettert und Uwes Leben eine neue Richtung gibt; denn jetzt heißt es: Raus aus dem Kinderzimmer, rein ins erwachsene Leben, endlich Kerl werden - und zwar in Berlin.

Nun hat Uwe also ein eignes Buch geschrieben, «das ist eine krasse Ehre für mich, voll der Becher». Ein Antiheldenroman der komischen Art, ein anarchisches Vergnügen, «der absolute Fremdschämspaß voller absurder Abenteuer!» (fritz.de) Auf die Idee mit dem Buch sei er aber nicht selbst gekommen, das passiere ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad automatisch. Wer – Zitat Uwe – «einmal seine Fresse in die Kamera gehalten hat, wird garantiert von Verlagsleuten angesprochen», so sei das eben. Abgesehen davon könnten Boris Becker oder Dieter Bohlen auch nicht schreiben und seien damit doch ganz schön erfolgreich. Sagt Uwe, und wer will ihm da widersprechen.

Auf ulmen.tv kann man übrigens Uwes Werdegang vom Kind zum Manne verfolgen in Wort und Bewegtbild : in unglaublichen, unsäglichen, absolut großartigen Slapstick-Improvisationen zwischen Puff und Panzer, Speed Dating und Schießtraining, Kickboxen und IQ-Beratung.

TITANIC: Das Erstbeste aus 30 Jahren

Die TITANIC hat sich ihren Ruf als «endgültiges Satiremagazin» und als «verbotenste Zeitschrift Deutschlands» hart erkämpft und redlich verdient: mehr als 40 Gerichtsverfahren (achtmal klagte allein die katholische Kirche), 28 verbotene Ausgaben, das ist schon was. Die TITANIC ist und bleibt «komisch, widerständig, anarchisch» (Stern). Deshalb wird nach 30 Jahren TITANIC stilvoll gefeiert: mit einem Prachtband! Mit allen Skandalen, Geschmacklosigkeiten und genialischen Grenzüberschreitungen aus drei Jahrzehnten. Und mit den kompletten Drehbüchern zu den größten politischen Erfolgen der TITANIC-Crew: Wie sie einst Helmut Kohl als Birne zum Jahrhundertkanzler aufbaute. Und wie es ihr gelang, mit einem kleinen Bestechungsfax an die Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees die Fußball-WM nach Deutschland zu holen.

1979 von F. K. Waechter, Pit Knorr, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth und Hans Traxler gegründet, im Jahr der großen Gründungen (taz, Grüne etc.). Die Zeit war einfach reif für ein radikales Humorprojekt, denn die Stimmung war eher mies, und Witzrohstoff gab es mehr als genug:

«Null Bock, no future, Berufsverbote, Nachrüstung, Nato-Doppelbeschluß, Kriegsangst, Terrorismus und die übliche Novembergrippe schlagen der geteilten Nation mäctig aufs Gemüt: Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder: Knapp 68 (!) Jahre nach ihrem eisbergbedingten Verschwinden im Atlantik taucht im November 1979 die TITANIC auf. In Gestalt eines – von den vielen Schwarzweißseiten mal abgesehen – durchgehend farbigen Satiremagazins.»

F. Elstner/L. Frenz: Das unglaubliche Quiz der Tiere

Dieses Buch ist wirklich unglaublich. Man staunt, lacht, hält den Atem an, schüttelt ungläubig den Kopf, liest manche Passagen vor Vergnügen drei Mal. TV-Showmaster Frank Elstner und der Wissenschaftsjournalist und Filmemacher Lothar Frenz haben ein äußerst flottes und lustiges Begleitbuch zum Unglaublichen Quiz der Tiere zusammengestellt, das Jung und Alt ebenso begeistern dürfte wie das Prominentenquiz, das in der ARD zum Quotenhit wurde.

Hier kann man es in seiner bunten, prächtigen, hinreißenden Vielfalt studieren: das Wunder der Evolution. Hätten Sie gewusst, dass in der Tierwelt Löwen mit bis zu 20 Stunden Nickerchen am Tag die größten Schlafmützen sind und keineswegs die Faultiere (mit 9,63 Stunden allenfalls müder Durchschnitt). Anders als Antilopen, Gazellen oder die Spezialisten des 20-Minuten-Schlafs, die Giraffen, ist der König der Tierwelt nicht in der Gefahr, nachts von fleischfressenden Feinden angegriffen zu werden. Also kann man sich bei Löwens reinen Gewissens dem süßen Schlummer hingeben, bis morgens in der Savanne der Wecker zum Frühstück klingelt.

So määandern wir durch die skurrilen Randzonen der Schöpfung (nicht all diesen Tieren und Tierchen möchte man in freier Wildbahn begegnen, siehe Killerqualle oder Schwarze Mamba). Allein die Namen mancher dieser Wesen deren evolutionäres Potential wir bestaunen dürfen, sind zum Einrahmen schön: sibirischer Winkelzahnmolch, japanische Rotgesichtsmakaken, Apothekerskink, Borstenhörnchen Pfeilgiftfrösche Neongrundel, Putzerlippfisch, Rotschnabeltoto, Beutelteufel; Stirnlappenbasilisk u.v.m. Wunder der Natur, Tollheiten der Evolution …

Volker Wieprecht, Robert Skuppin Rowohlt Berlin 288 S.
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Christian Ulmen Kindler 224 S.
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Peter Knorr, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn, Mark-Stefan Tietze, (Hg.) u.a. Rowohlt Berlin 416 S.
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