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Geschenktipps - Teil 5

Paul Auster: Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte

Man muss immer wieder daran erinnern, dass Paul Auster neben bedeutenden Romanen auch eine der schönsten Weihnachtsgeschichten geschrieben hat, Sie liegt bei rororo in einem bibliophilen Band vor, garniert mit einer Reihe stimmungsvoller Bilder des New Yorker Fotograf Beowulf Sheehan.

Auggie Wren arbeitet als Verkäufer in einem Zigarrengeschäft an der Court Street in Brooklyn; hier kauft Paul immer die kleinen holländischen Zigarren, die er so gern raucht. Jahrelang hat er keine Gedanken an den seltsamen kleinen Mann verschwendet. Bis Auggie ihn eines Tages fragt, ob er bereit sei, sich seine Fotografien anzusehen.

Als Paul mehr über Auggies große Leidenschaft, das Fotografieren, erfahren will, erzählt dieser ihm eine Geschichte: von einem Ladendiebstahl, einer verlorenen Geldbörse und dem kleinen Schwindel, den er einer alten, blinden Frau vorspielt ...

Daniel Hope: Wann darf ich klatschen?

Kann es sein, dass der klassische Konzertbetrieb selbst die Schwellenangst produziert, die viele abhält, jene Musik live erleben zu wollen, der sie zu Hause vor der Stereoanlage lustvoll lauschen? Der südafrikanisch-britische Stargeiger Daniel Hope ist davon überzeugt. Sein zusammen mit Wolfgang Knauer, dem ehemaligen Chef des Kulturprogramms im NDR-Rundfunk, verfasster Klassikratgeber erklärt wirklich (fast) alles, was man sich als halbwegs gebildeter Mensch bis dahin eigentlich nicht zu fragen getraut hätte.

Zum Beispiel: Weshalb werden die Instrumente nach den Oboen-Ton gestimmt? Wieso gibt der Dirigent zu Beginn nur dem Konzertmeister die Hand? Muss es der Frack als Dienstkleidung der männlichen Orchestermitglieder sein? Wo ist der beste Platz im Saal? Ist es ein Drama, wenn der Geigerin eine Saite reißt? Wird man schief angeschaut, wenn man in Räuberzivil statt im Sonntagsfrack ins Konzert geht? Und überhaupt: Muss man Musik verstehen, um sie genießen zu können?

Hope will die sich oft so altmodisch, steif und auf Etikettenwahrung bedachte Klassikwelt entstauben und mit neuem Esprit auffrischen, um vor allem junge Menschen anzuziehen. Weil er der Ansicht ist, dass diese Musik für Menschen jeden Alters mitreißend und inspirierend ist: «Ich muss gestehen – ich liebe Konzerte. Es gibt nichts Aufregenderes und Spannenderes. Beethoven, Mendelssohn, Brahms live zu hören. Das ist das Größte, nichts sonst setzt in einem einzigen Moment so viel Adrenalin und Glückshormone frei.»



ULLA LACHAUER: DER AKAZIENKAVALIER

Gärten sind Seelenlandschaften und Schicksalsorte, Glücksquell und Trostspender. In wessen Leben gibt es eigentlich keinen Garten, an dem wichtige Erinnerungen hängen, bleibende und flüchtige, schöne und traurige?

Blumen, Pflanzen, Gärten – für Ulla Lachauer eher eine Liebe auf den zweiten Blick. Sie erzählt in ihrem Buch Geschichten von Menschen, die in ihren Gärten ihr Glück fanden: Von der Obsession der Blumenscheins, auch in der Schwäbischen Alb, ihrer neuen Heimat, Paprika und Weintrauben anzubauen – ein Stückchen Ungarn eben, das Land, aus dem sie 1946 auf Anordnung der Siegermächte vertrieben wurden. Von Veronika Zimmermann, die von Kindesbeinen an blind ist und doch gelernt hat, Farben, die sie nicht sehen kann, ebenso präzise zu beschreiben wie den Geruch von Kälte.

Wir spazieren durch einen Bernsteinwald in der Kurischen Nehrung, lassen uns durch ostpreußische Wolkengärten treiben. Wir teilen Lachauers Verblüffung über das Wunder von «buon Enrico», wildem Spinat, auch über die strategische Bedeutung von Seidelbast (alias Beißbeeren, Pfefferbusch, Quälerhals etc.) für die professionelle Bettlerei. Und wir flanieren durchs frühmorgendliche Odessa, die bezaubernde Stadt am Schwarzen Meer, wo wir ihm endlich begegnen: dem Akazienkavalier.

Dieter Moor: Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht

Ein Mann sitzt in einem großen 50-Tonner und schleppt seinen halben Hausstand und noch einiges mehr Richtung Amerika, in das Dorf, in dem er mit seiner Frau leben wird. Mit an Bord: die beiden Berner Sennenhunde Momo und Zora. Ein paar Hundert Kilometer von den Schweizer Bergen in die Mark Brandenburg: eine Tortur, ein Vorstoß in die Fremde. Der Mann ist kein Unbekannter: Dieter Moor, Moderator des ARD-Kulturmagzins ttt – titel, thesen, Temperamente. Moor und seine Frau Sonja, eine Filmproduzentin, haben einen Traum: Sie wollen einen Biobauernhof aufbauen und bewirtschaften.

Was um Himmels willen aber treibt eine Österreicherin und einen Schweizer ausgerechnet in Deutschlands Osten? Wieso verlassen sie ihren idyllischen kleinen Hof in den Bergen nahe Zürich, um sich in einem Landstrich anzusiedeln, den die meisten Wessis mit trostloser Einöde, verbitterten Bewohner und dumpfem Fremdenhass in Verbindung bringen? Wer Moors wundersamen Expeditionsbericht nach «Dunkeldeutschland» – Untertitel: Geschichten aus der arschlochfreien Zone – liest, lernt eines ganz sicher: Dass es sich lohnt, an seinem Traum gegen alle Schwierigkeiten festzuhalten. Und das vieles zum Glück ganz anders ist, als es auf den ersten Blick ausschaut.

Gefunden haben sie einen besonderen Menschenschlag und eine Landschaft voller Reize. «Unberührtes Land, so weit das Auge reicht. Kniehoch das Wildgras, verstreut darauf uralte knorrige Lärchen. Wilde Brombeerbüsche, Wildrosengestrüpp, verwilderte Apfel-, Birn- und Kirschbäume. In weiter Ferne winzig ein Kirchturm. Der Himmel ist jetzt mit feingepinselten Federwölkchen verziert, die vor dem Azurblau der Unendlichkeit in leuchtendem Gelb-Orange brennen. Die Weite der offenen Szenerie hat etwas Majestätisches. Etwas Reiches, Sattes und unendlich Friedliches.»