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George Deffner: Ein Mann – Ein Bauch

Endlich ein Mann, der nicht drum herum redet, sondern Klartext. Über die zentrale männliche Problemzone: den Bauch. Der Mann heißt George Deffner. Nach zwei Jahrzehnten journalistischer Tätigkeit für die Süddeutsche Zeitung arbeitet er nun als freier Autor und Coach fürs Fernsehen und als Berater für TV-Produktionsfirmen. Eigentlich hätte er mit seinem (zweifellos vorhandenen) Bauch kein Problem, wenn sein geliebtes Eheweib kein Problem mit selbigem hätte. Und so widmet sich Deffner nolens volens doch seinem sogenannten Kampf mit den Pfunden. Und wie er das tut! Wer mit so viel Witz, Esprit und Klugheit über Kilos und Kalorien schreibt, dem kann es tatsächlich egal sein, ob er einen Hauch leichter oder schwerer durchs Leben geht. (Okay, auch das sieht Deffners Frau anders …)

Wie wird ein Dicker zu dem, was er ist? Und was isst er, um so zu werden? Sind Männer anders dick als Frauen – und wie wird man seine Pfunde wieder los? Ganz bestimmt nicht, sagt Deffner, indem er sich der Fitnessfolter unterwerfe. No sports! sei auch nach Winston Churchill ein probates Mittel, um gutgelaunt durchs Leben zu kommen. (Kleinlich der Einwand an dieser Stelle, der große britische Realpolitiker habe diese Maxime gar nicht in die Welt setzen können, wo er doch in seiner Jugend ein regelrechter Multitasking-Sportfreak gewesen sei …)

«In zehn Minuten zur Traumfigur» – hä?

Was heißt schon dick? Wer sich wie George Deffner am liebsten in elegantes, schlank machenden Schwarz hüllt, kann sich gar nicht als dick empfinden – alles eine Frage der Begrifflichkeit. «Fettleibigkeit mag eine Krankheit sein, aber leicht Übergewichtige wie ich sind da gar nicht erwähnt.» Es ist ja nicht so, als seien Menschen mit Kompaktbauweise von Natur aus resistent gegen Schlankheitssehnsüchte: «Ich wäre gern leicht. Wenn es nur nicht so schwer wäre. (..) Ich bin ja auch wirklich gutwillig. Zum einen stehe ich auf Diäten. Ich habe oft schon zwei oder drei Diäten gleichzeitig unternommen … von einer wird ja kein Mensch satt.» Aber gegen die schwerkraftverstärkenden Folgen des Alterns sind schon deutlich willensstärkere Exemplare der Gattung Mann nicht angekommen.

Schwimmen, Golf, Tennis, Skilaufen, gar Nordic Walking? Never ever, beteuert der pfundige Autor. Die Lust an sportlicher Betätigung hat ihm sein alter Sportlehrer gründlich verdorben. «23 Millionen Deutsche treiben regelmäßig Sport, knapp die Hälfte von ihnen in Vereinen. Ich gehöre nicht dazu.» Zwingt ihn seine bessere Hälfte doch einmal zu, sagen wir, einem Skiurlaub in herrlichster Berglandschaft, zieht sich der Gatte mit hundertprozentigre Sicherheit einen Sportunfall zu, und zwar gleich am ersten Tag: eine Stauchung, eine Zerrung, eine Hautabschürfung, egal was, Hauptsache, es lässt sportliche Aktivität auf den flotten Holzplanken nicht zu, verhindert aber andererseits auch nicht die Teilnahme an Après-Ski- und sonstigen (vor allem kulinarischen) Vergnügungen.

Ein einziges Mal hat sich Herr Deffner um des lieben Ehefriedens willen bequatschen lassen und ist zu einem Schnupperkurs in einem Fitness-Center gegangen. Die Erfahrung war niederschmetternd (und in Windeseile ein für allemal beendet), und das lag nicht nur an Marc und Pattie, den mördermäßig nervenden Betreibern des Fitnesstempels.

Autoreninfo

Georg Deffner, Jahrgang 1950, arbeitet als freier Autor fürs Fernsehen, Moderatoren-Coach, Formatentwickler und freier Berater für...
mehr über den Autor
«Was soll’s, ich war 18 und brauchte die Kalorien»

Es ist ein großes Vergnügen, George Deffner durch die verschiedenen Abteilung unseres Alltags zu folgen, quasi durch dick und dünn. Und so erfahren wir vielerlei, was das Leben von Menschen mit der Problemzone Bauch so mit sich bringt: Vom Reiz der Reizwäsche für Männer und den Gefahren einer Pasta-Flatrate; die üble Diskriminierung durch das neue 16:9-TV-Format; was vier nackte Männer in der Sauna bereden; was bei Schönheits-OPs alles unter den Tisch fällt; eine Neufassung von einem, der sich auszog, um andere das Fürchten zu lehren. Und wie der Begriff «dick» zum Four-Letter-Word wurde.

Auch andere haben in Sachen Abnehmen bekanntlich die Mühen der Ebene kennenlernen müssen, wie Jo-Jo-Joschka Fischer, der ehemalige hessische Turnschuh- und spätere Außenminister der Bundesrepublik Deutschland mit seinem langen Lauf zu sich selbst: «Der Mann ist augenscheinlich auch nie bei sich angekommen, hat, nachdem er 20 Kilo abgenommen hat, schnell mal 30 Kilo zugenommen und sich zur Kompensation die fünfte Frau zugelegt.»

Eines soll zum Abschluss unbedingt noch gesagt sein: «Im Gegensatz zum Bungeespringen oder Dressurreiten geht Sex auch bei Übergewciht als körperliche Betätigung ganz gut.