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Er ist der bedeutendste Literaturpreis im deutschsprachigen Raum. 1923 wurde er vom Landtag des Volksstaats Hessen ins Leben gerufen, 1951 dann in einen allgemeinen Literaturpreis umgewandelt. Große Namen zieren die Liste des von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehenen Georg-Büchner-Preises: Gottfried Benn, Erich Kästner, Paul Celan, Wolfgang Koeppen, Max Frisch, Hans Magnus Enzensberger, Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Heinrich Böll, Thomas Bernhard, Uwe Johnson, Peter Handke, in späteren Jahren dann u.a. Peter Rühmkorf, Durs Grünbein, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker und Wilhelm Genazino.
Friedrich Christian Delius' Dankesrede bei der Preisverleihung am 29. Oktober 2011 im Staatstheater Darmstadt war ein poetisch-politischer Rekurs auf Georg Büchner, den Autor revolutionärer Texte wie Der Hessische Landbote oder Dantons Tod – und ein illusionsloser Blick auf die aktuelle Gefährdung der demokratischen Kultur Europas.
Mit Friedrich Christian Delius wird der «poetische Chronist bundesdeutscher Zustände, Befindlichkeiten und Neurosen» ausgezeichnet, der «Erfinder der literarischen Dokumentarsatire» – ein Schriftsteller der bei Publikum und Kritik gleichermaßen verankert ist. Dafür stehen u.a. Werke wie die Deutscher-Herbst-Trilogie, Die Birnen von Ribbeck, Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde, Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus, Bildnis der Mutter als junge Frau und zuletzt Die Frau, für die ich den Computer erfand.
«Und wir, in welcher Büchner-Welt leben wir? Im deutschen Bio-Biedermeier? Im munteren Rendite-Kapitalismus? Im narzisstischen Wettstreit zwischen diversen Migrationsvordergründen? Einig nur beim Verdrängen der großen Mauer, die nicht mehr durch unser Land, sondern mitten durch das Mittelmeer geht? Wo schwanken die Fundamente denn nicht? So viel emotionaler, rechthaberischer Aufwand für Bahnhöfe, aber wenn es um die Abschaffung der Demokratie geht vor unserer Haustür in Ungarn und in Italien, warum herrscht dann das große Gähnen? Was muss der regierende Wirtschaftskriminelle, der, statt hinter Gittern zu sitzen, das halbe italienische Parlament aufgekauft hat mit dem Segen der verschiedenen Mafien und des Vatikans, was muss der noch alles anstellen, damit Europa in ihm einen der ärgsten Antidemokraten erkennt?»
«Es löst längst keine Empörung mehr aus, dass die ‹Quoten-Idioten› in den Sendern, Verlagen, Ministerien, Universitäten die geistige Anstrengung für gemeingefährlich halten, nicht aber das von ihnen geförderte Analphabetentum (…) Im Widerstand gegen diesen Fundamentalismus des Entweder-Oder, in den Nuancen zwischen Gut und Böse liegt der Reichtum des Subjektiven, liegen die Chancen der Kunst, der Literatur.»
«Als kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter hat er in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt – von der Vorgeschichte der NS-Zeit über die Zeit der Teilung bis in die unmittelbare Gegenwart. Seine politisch hellwachen, ideologieresistenten und menschenfreundlichen Texte loten die historischen Tiefendimensionen der Gegenwart aus. Seiner souveränen Erzählkunst gelingt es, eine manchmal satirische Beobachtungsschärfe zu verbinden mit einer humanen Sensibilität, die seine Figuren oft decouvriert, aber nie denunziert.»
Felicitas von Lovenberg: «Kein Zweifel: Friedrich Christian Delius ist ein feiner, wetterfühliger Autor, ein intelligenter, subtiler Beobachter. Seine besten Bücher entstehen, wenn er aus der Fülle seiner zeitgeschichtlichen Reflexions- und Einfühlungsgabe schöpft.»
Elke Heidenreich: «Kein anderer Autor kriecht so sehr in die Köpfe seiner Zeitgenossen und versucht zu verstehen und zu erklären, warum sie tun, was sie tun, wie F.C. Delius. Und er macht das vorsichtig, sensibel, intelligent, mit einer klaren Sprache und mit einer bewundernswerten Balance zwischen Anteilnahme und Distanz.»
Gustav Seibt: «Der handwerklich genaueste, am bedächtigsten kalkulierende, hintergründig gebildetste Schriftsteller unter den Autoren der deutschen Gegenwart.»
Sigrid Löffler: «Delius war immer ein sehr aufmerksamer Zeitgenosse, ein scharfer und wacher Beobachter, ein kritischer Analytiker der politischen Entwicklung in Deutschland, nie auf eine laute und vordergründige Art, er war immer zurückhaltend, satirisch, humorvoll und vor allem außerordentlich gut zu lesen.»
Denis Scheck: «Das ist eine großartige Entscheidung. Er operierte als Dokumentarliterat, aber mit der großen artistischen Sensibilität eines Lyrikers, der er eben auch ist. Delius ist ein Kosmopolit, und er bringt eine ganz erfreuliche Weltläufigkeit in die deutsche Literatur. Ein Triumph für den Künstler F.C. Delius.»
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