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Florian Schroeder: Offen für alles und nicht ganz dicht

© Frank Eidel; Thinkstock

Klar kennen Sie Florian #Schroeder! «Jung, klug, sexy. Und dabei ist der Mann noch nicht mal Physiker ...» (Vince Ebert) Als bekennendes Mitglied der Generation IMM – Irgendwas-mit-Medien – zeichnet Florian Schroeder das Porträt seiner Generation, die Vollgas im Leerlauf gibt, die offen für Alles und folglich nicht ganz dicht ist. Seine Texte – auf der Bühne wie in diesem Buch – sind pointiert, scharf, lustig. Sie handeln von iPods, iPads und anderen iDings, absurden Praktika und der gefühlten Ewigkeit der Ära Kohl. Sie handeln von Face- und E-Books, Hausbesetzern und Hausbesitzern, Windows-Freaks und Apple-Sektierern. Sie spielen in Digitalien und Analogistan, in Uni-Proseminaren und im babylonischen Sprachengewirr der Starbucks-Filialen («To go oder für nur hier?»). Und über allem schwebt die Frage: Wer sind wir eigentlich – und warum sind wir, wie wir sind?

Wer und was Florian Schroeder ist, das zumindest können wir sagen: ein «Entertainer der Extraklasse mit schwarzem Humor» (Der Spiegel). Schärfe und Sprachwitz sind Schroeders Markenzeichen. Wir möchten Ihnen einige Kostproben präsentieren (allein die Wortkreation «Fitnesstaliban» ist ihr Geld wert!) ...

Irgendwie, eigentlich, vielleicht – die Sprache des Konjunktivs

Die 30er. «Männer und Frauen um die 30 sind die Mensch gewordene Hölle auf Erden: Sie bauen nur Mist: Reihenendhäuser und spießige Familien. Sie hören Uhren ticken, zeugen ohne Not ein Kind, schließen Bausparverträge ab, oder melden sich bei PARSHIP an. Jetzt muss was Großes passieren, sagen sie sich.»

Irgendwas-mit-Medien. «Ich muss mal wieder an die Oberfläche. Da ist ein Praktikum perfekt. Eines beim Radio. Da gibt es so viel Oberfläche – das ist grandios. Ein Praktikum im Bereich Irgendwas-mit-Medien, das macht sich außerdem gut im Lebenslauf. Und das, obwohl ich nicht einmal Lehramt studiere. Lehramt studieren ist die FDP-Mitgliedschaft unter den Studiengängen: Es ist peinlich, aber irgendjemand muss es ja machen …»

Helmut Kohl. «Er war Kanzler geworden, als ich drei Jahre alt war und ging, als ich gerade neunzehn wurde. Lange glaubte ich: Es gibt nur ihn. Der Unsterbliche! Im Ethikunterricht später lasen wir Aristoteles, der geschrieben hatte, Gott sei der unbewegte Beweger. Er muss Kohl gemeint haben: Der Gute Gott von Oggersheim hielt sich genau an das Drehbuch, das ihm die Bibel vorgeschrieben hatte. Nach fünf unbewegten Tagen schuf er am sechsten den wiedervereinigten Deutschen. Am siebten Tag vollendete er sein Werk und ruhte. Sein siebter Tag sollte nun aber neun Jahre, von 1989 bis 1998 dauern, eine gefühlte Ewigkeit.»

Autoreninfo

Florian Schroeder (Jahrgang 1979) studierte Philosophie und Germanistik in Freiburg, 2006 zog es den Kabarettisten in die Hauptstadt. Längst ist...
mehr über den Autor
Analoger Teilzeitfundamentalist & Fitnesstaliban

Thilo S. «Die neuen Rechten sind frühere Linke und Liberale. Sie stellen sich nackt vor die ganzen Bikini- und Badehosenträger aus der Mitte und lassen stellvertretend für sie die Sau raus. Thilo Sarrazin hat das eindrucksvoll gezeigt. Ihm und seinem Buch haben wir viel zu verdanken. Er hat bewiesen, dass nicht nur der Islam, sondern auch wir, das christliche Abendland, hervorragende Hassprediger hervorbringen können.»

Bildung? Bachelor! «Bachelor, das klingt schon nach einer schallenden Ohrfeige. Das ist die Fortsetzung der Realschule in noch dreckigeren Räumen. Ein McDonald's des Bildungssystems, in dem man schnell fett, aber nie wirklich satt wird. Ein Drei-Jahres-Nonstop-Wikipedia mit Module, credit points, workloads und anderen Wichtigheimer-Begriffen, die vorbereiten sollen auf ein Leben als Coach, Trainer, CEO oder Latte-Verkäufer.»

Rilke marschiert. «Als 1979er Jahrgang stehe ich direkt an der Schwelle zwischen Analogistan und Digitalien. Ich habe den Untergang des analogen Zeitalters live miterlebt. (…) Ich bekomme jetzt auch sämtliche Rechnungen online. ‹Online oder Nichtsein! Das ist hier die Frage!› … Meine Kreditkartennummer und meine Bankleitzahl kann ich mittlerweile auswendig. ‹Früher konnte man Gedichte auswendig›, sagte meine Oma neulich. Ich erwiderte: ‹Aber früher seid ihr mit eurem Rilke auch in andere Länder einmarschiert.›»

Das ist nicht NETT, das ist einfach gut.

«Nett ist die größte Ohrfeige, die man einem Menschen geben kann. Nett ist meist gefolgt von dem tragischen Wort ‹aber›. ‹Ich find dich nett, aber …› Nett ist wie ein Kanarienvogel: Stinkt nicht, stört nicht, könnte aber auch genauso gut weg sein.»