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Felicitas Mayall: Hundszeiten

Mit der Münchner Kommissarin Laura Gottberg hat Felicitas Mayall eine sympathische, wohltuend normale Figur geschaffen. Kein Alkoholprobleme, keine schweren Neurosen, keine ärztlich attestierte Beziehungsunfähigkeit. Ein bisschen grüblerisch ist die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, mit einem leichten Hang zur Selbstironie – aber sonst? Ihren Alltag muss sie allerdings in einem kräftezehrenden Spagat bewältigen: die Arbeit in Bayern, die Liebe in der Toskana. Und dann noch all diese Verbrechen, um die sich berufsbedingt kümmern muss …

Morgengrauen am Isarstrand

Es ist der Sommer, als eine Hitzewelle historischen Ausmaßes ganz Europa in den Klauen hält. Selbst nachts sinken die Temperaturen nicht mehr unter 25 Grad; alte Menschen sterben wie die Fliegen. Niemand, der nicht unter der Gluthitze ächzte, selbst der Aufenthalt in den Biergärten ist angesichts dieser Temperaturen und des hysterischen Begleitfeuers in den Medien (Klimakatastrophe! Apokalypse! Endzeit!) wenig erquickend.

Perfekter Zeitpunkt für eine kleine Sommerdepression bei Kriminalhauptkommissarin Gottberg. Ihre beiden Kinder, Sofia und Luca, sind zu Sprachferien mit Familienanschluss nach England aufgebrochen. Eigentlich müsste sie die freien Abende genießen, aber sie kann es nicht. Ihr geliebter Commissario Angelo Guerrini ist natürlich nicht bei ihr in München, sondern brütet in der Toskana über einem Fall, der bereits zu den Akten gelegt wurde: der merkwürdige Tod des Schriftstellers Wolf Altlander, der in seiner Villa bei Siena gefunden wurde – in seinem Sessel sitzend, neben sich eine Flasche Lachgas, auf dem Gesicht die Maske …

Um sich mit unschönen Fällen herumzuschlagen, braucht Laura gar nicht erst in die Toskana zu blicken. «War denn etwas aus dem Gleichgewicht geraten? Rapider Anstieg der Todesrate, Kolibakterien in Schwimmbädern und Seen, drohende Epidemien von Gehirnhautentzündung und Salmonellen, Trinkwassermangel, steigende Gewaltbereitschaft, Smog, Fahrverbote.» Aber es ist nicht allein das infernalische Klima. Es sind auch die braunen Horden, die immer ungenierter Menschen terrorisieren. «Sie grölten wieder, unten auf den Kiesbänken bei der Museumsinsel. Inzwischen hatten sie diesen Isarstrand ziemlich für sich allein. Niemand wollte in ihrer Nähe feiern. Wo in früheren Nächten viele Feuer brannten, gab es jetzt nur noch ein großes.»

Autoreninfo

Bevor Felicitas Mayall sich ganz der Schriftstellerei widmete, arbeitete sie als Journalistin bei der „Süddeutschen Zeitung“. Wenn sie nicht gerade in...
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Rache verjährt nicht

Auf einem ihrer nächtlichen Spaziergänge hat Laura unter eigenartigen Umständen einen Penner kennengelernt: Ralf der Steinmetz, wie er genannt wird. Er lebt davon, bunt bemalte Isarsteine für zwei oder drei Euro an Touristen zu verkaufen und ihnen ein paar Kostproben seiner auf der Straße erworbenen Privatphilosophie mit auf den Weg zu geben. Als einer von Ralfs Kumpeln unter ungeklärten Umständen erschlagen wird, ahnt Laura, dass er nicht der einzige Obdachlose ist, der in diesem Höllensommer sein sein Leben verlieren wird …

Wie ihr Commissario in Siena quält sich auch Laura mit einem Fall herum, der offiziell abgeschlossen ist. Der 91 Jahre alte Gustav Dobler soll sich mit dem Pflanzenschutzmittel E 605 umgebracht haben. Laura ist die einzige im Kommissariat, die an Mord glaubt. Weil dem Toten das nackte Entsetzen ins Gesicht geschrieben stand, als man ihn fand. Und weil es weniger grausame Arten als E 605 gibt, um Selbstmord zu begehen.

Da bittet ein alter Herr, der den Toten gut kannte, Laura Gottberg um ein Gespräch. So erfährt sie, dass Dobler während des Zweiten Weltkriegs nicht nur als Haus- und Blockwart einer Münchner Wohnungsbaugenossenschaft Spitzeldienste für die Gestapo verrichtete, sondern als aufrechter Arier persönlich dafür sorgte, dass die Halbjüdin Esther Maron und ihre Tochter Lea aufgespürt und ins KZ Dachau deportiert wurden.

Endlich kommt Bewegung in den Fall. Wie gut, dass Commissario Guerini sich für ein paar Tage freimachen kann, um in München nach dem Rechten zu sehen …