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Er ist türkisch, er ist deutsch, er ist kölsch. Deshalb bekommt Fatih Cevikkollu in der Spaßmetropole Köln auch ständig Sachen an den Kopf geworfen wie «Herr Cevidingens, für einen Türken sind Sie ein richtig guter Deutscher!» Ja, der Mann ist mit Herz und Seele Kölner, und zwar all inclusive: mit Millowitsch und Halve Hahn, mit Geißbock, Dom und Klüngel. Und natürlich weiß er, wie er seine Glaubensbrüder auf die Essentials rheinischen Frohsinns einzuschwören hat: «Jungens, loma fiere, loma net lamentiere, loma partizipiere als kölsche Muselmanen. Wenn der Zoch kütt, da sinn wir dabei, und dann rufen die KÖLLE und wir ALLAH!»
Kölner erkennen Kölner immer und überall, selbst wenn, nein, gerade wenn sie im Ausland auf unverwechselbare Weise Englisch sprechen resp. radebrechen. Mono- und Dialoge fangen recht harmlos an, um sich dann in klassisch kölscher Manier zu steigern: «What will you make? You stick not in it! It kütts how it kütts …», weil: «Every jeck is others.» Su isset.
Für viele ist Fatih Çevikkollu der beste Stand-Up-Comedian seiner Generation; seine besten Stücke und Sketche sind jetzt endlich auch nachzulesen. Geboren 1972, lebt mit Frau und kleiner Tochter in Köln; Schauspielausbildung an der Hochschule Ernst Busch in Berlin (als erster Türke in der rund 100-jährigen Geschichte des Traditionshauses); 2001-04 Ensemblemitglied im Schauspielhaus Düsseldorf («geackert wie ein Pferd, bezahlt wie ein Pony»); in Atzes Schröders Programm «Alles Atze» gibt er den Klischeetürken Murat; seit April 2005 präsentiert er jeden Monat in mehreren Städten von NRW den NoMagandaClub mit jeweils vier Newcomern pro Abend.
Mit seinem Soloprogramm Fatihland gewann er den renommierten Pantheon-2006-Jurypreis und folgte damit Koryphäen wie Dieter Hildebramndt, Gerhard Polt, Harald Schmidt und Helge Schneider. In der Begründung heißt es u.a.: «Er schafft mit Liebe und Selbstironie einen urkomischen Brückenschlag zwischen seinen beiden Kulturen: der deutschen und der türkischen. Seine Sicht der Dinge bringt die Zuschauer nicht nur zum Lachen, sie wirkt auch in deren Köpfen weit über den Abend hinaus. Darüberhinaus überrascht er mit seinen schauspielerischen Fähigkeiten und seiner grandiosen Präsenz.»
Provokative Krawall-Comedy ist seine Sache nicht, und doch geht es knallhart gegen CDU-Hardliner wie Roland Koch und Wolfgang Schäuble zur Sache. Den baden-württembergischen Einbürgerungstest, den sog. «Gesprächsleitfaden» (gültig ab 1. 1. 2006) macht er in seiner ganzen Infamie und Idiotie nieder. Beispiel: Frage 22 des Gesinnungs-TÜVs. «Sie erfahren, dass Leute aus Ihrer Nachbarschaft oder aus Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis einen terroristischen Anschlag begangen haben oder planen. Wie verhalten Sie sich?» Ja, wie verhält man sich da als guter Moslem? «Da gibt’s nur eins! Ich greife zum Hörer und sage: ‚Mohammed! Warum? Warum muss ich das aus der Zeitung erfahren? Allah hallah?»
Klar, dass sich unter 1,4 Milliarden Moslems auf der Welt auch «ein paar Tausend Schrottköppe finden», räumt Cevikkollu ein. Von wegen «Traumberuf: Kofferbomber»! Die Terrortypen sind definitiv nicht zurechnungsfähig: 72 Jungfrauen im Paradies, so ein Quatsch! „Wer will denn heutzutage noch eine Jungfrau? Ich nicht! Ich will Profis! Haben Sie schon mal mit einem absoluten Anfänger Tennis gespielt? Richtig! Das macht überhaupt keinen Spaß. Einfach kein Ballgefühl!»
Was wir sonst noch lernen: Wie man es dank dem beliebten Geschnetzelten im Brotmantel zur ersten Dönerstie bringen kann Wen man bei einem Picknichk in der Parallelgesellschaft alles so zu Gesicht bekommt. Warum betende Moslems, rein professionell betrachtet, als Einbrecher völlig untauglich sind. Und weshalb das Goethe-Institut in der Türkei Deutsches Kultur-Zentrum heißt (weil «Göt« auf Türkisch nämlich «Arsch« und – noch schlimmer! – «Göte! Dort «für’n Arsch« bedeutet).
Wer wissen will, wie unerhört lässig und dezidiert politisch Comedy sein kann, der sollte Cevikkollu sehen, hören und lesen.