Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Eran Bar-Gil: Zwillingsstern

© any.way, Walter Hellmann; France Lebée-Nadav (Autorenfoto)

«Wenn ihr es wollt, ist es kein Traum» – dieser Satz Theodor Herzls Ende des 19. Jahrhunderts steht am Anfang des zionistischen Projekts, den Juden in aller Welt eine eigene nationale Existenz fernab von Ausgrenzung, Unterdrückung und Pogromen zu geben. Im vergangenen Jahr wurde der Staat Israel 60 Jahre alt: ein stolzes, ein bitteres Jubiläum. Bis heute bezahlen die in zwillingshafter Weise aneinander gebundenen, geketteten Völker, Palästinenser wie Israelis, einen hohen Preis. Dieser komplexe Kontext schwingt auch in Eran Bar-Gils Roman Zwillingsstern mit, dem der Verband Israelischer Verleger den Bernstein-Preis für den besten hebräischen Roman verlieh.

Der 1969 geborene Autor und Musiker Bar-Gil nähert sich dem Zwillingsthema «mit einem tief innerlichen, schmerzberührten poetischen Ernst» (Jüdische Zeitung): Als Kinder waren die Zwillinge Dan und Joni von ihrer Mutter zur Adoption frei gegeben worden – zu zwei Elternpaaren. Von der leiblichen Mutter verlassen, von den Adoptiveltern über ihre Herkunft in Unklarheit gelassen, wachsen die beiden zwar behütet, aber eingepfercht hinter Mauern des Schweigens auf.

Doppelte Zwillingsthematik

Während Dan als hochbegabter Violinist Ensemblemitglied bei den der Israelischen Philharmonikern wurde, findet Joni im ländlichen Leben, in der Welt der Tiere seine Berufung. Ohne von der Existenz des anderen zu wissen, spüren doch beide, dass sie nicht «ganz» sind: das dumpfes Gefühl, einen wichtigen Teil der eigenen Geschichte verloren oder noch nicht gefunden zu haben. Als Dans Freundin Gili ihn verlässt und sein Vater Ascher auf einmal spurlos verschwindet, droht sein Leben in Stücke zu fallen.

Als sich Dan und Joni zufällig treffen, kommt ein Prozess in Gang, der die Zwillinge, von ihren Adoptiveltern unbemerkt, aufeinander zu und zueinander führt. Erst scheu und verwirrt, dann immer entschlossener, beginnen sie, ihr Leben als Zwillingsbrüder zu entdecken. «Es war, als zerrisse ein Vorhang, der die Welt verdeckt hatte, die Wirklichkeit offenbarte sich mit aller Macht, ihrem Schmerz, ihrer Banalität. So viele Fragen, und so viele Antworten auf Fragen, die nie gestellt wurden. Eineiige Zwillinge und so verschieden. Eine Fülle von Möglichkeiten. Und der klare, einstimmige Beschluss – dass wir unsere Entdeckung für uns behalten.»

Zwillingsstern ist ein berührender Roman über familiäre Bande und die Kraft der Freundschaft. Ein Roman über das Israel von heute. Und nicht zuletzt ein Roman über das Wunder der Musik, mit Passagen von einer intimen, erregenden Leuchtkraft, die den Musiker im Autor Bar-Gil verraten.