Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Doris Knecht: Gruber geht

© www.pertramer.at

Yuppie-Manager, Loftbesitzer in der Wiener Innenstadt, Frauenverschleißer, Zyniker: John Gruber ist nicht gerade das, was man eine sympathische Figur nennt. Ein arroganter Großkotz, ein Ekel vor dem Herrn. Er nimmt mit, was er kriegen kann. Bis er aus einem tagelang ungeöffnet gebliebenen Brief seines Arztes erfährt, dass er Krebs hat. Just in dem Moment, als er sich zum ersten Mal ernsthaft verliebt – in die Berliner DJane Sarah … Doris Knecht konfrontiert uns in ihrem Roman Gruber geht mit einem hochneurotischen und auf seine Art höchst komischen Typen. Knechts größte Leistung: dass sie dieser Geschichte ein fast kitschig schönes (und doch glaubwürdiges) Happy End spendiert.

«Das lamentierende Stakkato von Bernhard, die Schärfe von Jelinek», das attestiert der Tages-Anzeiger Doris Knecht, die als Kolumnistin in Wien eine Institution ist. Dass sie auch auf der Langdistanz zu brillieren weiß, stellt sie in Gruber geht eindrucksvoll unter Beweis. «Ein Debütroman, der spritzig vom Beziehungsleben smarter Mittdreißiger erzählt, die auf der Überholspur leben und doch irgendwann rechts abbiegen. Kurzweilig, gut lesbar, romantisch.» (FAZ) «Dieser Roman geht ans Herz, er ist so roh in seiner Lust (Sexszenen schreiben kann die Knecht) und in seinem Schmerz …» (Tages-Anzeiger) «So gut und locker schreibt, worüber man nicht spricht, nur die Knecht.» (Daniel Glattauer)

Wenn das Leben plötzlich brutal auf die Bremse tritt

Gruber pflegt seine Liebschaften zu wechseln wie andere die Hemden; seine Satellitenfrauen koordiniert der passionierte Porschefahrer per SMS. John Gruber, ganz Narzisst und Egomane, macht keine Gefangenen. Er geht allein durchs Leben – aus Prinzip. Cool sein, sich vor nichts fürchten und von niemandem abhängig sein. Auf die Spießertypen pfeifen, sein Ding durchziehen, auf nichts anderes kommt es an. «Er ist ein Mover und Shaker, verdammt noch mal, das heißt, ihm können ALLE mal. Komplett alle.»

Nicht, dass er sich sein Gehabe selbst abkaufen würde, er ist ja nicht blöd. Gruber, der sein Geld mit «Investmentscheiß» verdient, hat seine kleinen Geheimnisse, seine Schwächen. Eine davon ist His Bobness, der gute alte Dylan. «Gruber sieht nicht aus wie der typische Dylan-Fan. Gruber weiß es, und er redet deshalb eher gar nicht darüber. Seine Kollegen und Geschäftspartner gehen heimlich in Puffs oder in Swingerclubs oder masturbieren bei Testfahrten in Autos, die sie sich nicht leisten können. Gruber hört heimlich Dylan.»

Gruber gehört weiß Gott nicht zu den Leuten, die dauernd zum Arzt rennen. Wäre da nicht dieser Schmerz, der sich unter seiner Bauchdecke breit gemacht hat, er wäre mit seinem Leben rundum zufrieden. «Ärzte sind etwas für Luschen. Für Hypochonder. Und für Leute, die gern krank sind. Und für Leute, die gern Hilfe in Anspruch nehmen. Für alte Leute. Und für Leute, die nach Gründen für Selbstmitleid suchen. Und für unattraktive Leute, die sonst keine Beachtung finden. Für Leute, die sonst kein Leben haben, und für Leute, die sich gern von anderen bemitleiden lassen. Für schwache Leute. Feige Leute. Kinder.» Kurz: für alle, die anders sind als Gruber. Bis zu dem Tag, als jener unsägliche Schmerz ihn im Fitnesscenter überfällt, dieser «leuchtend rote Exklusivschmerz mit einem dunklen Schatten». Und Gruber weiß genau, was da nistet: Krebs. Mitten in seiner Bauchhöhle.

Autoreninfo

Doris Knecht, geboren 1966 in Vorarlberg, gehört zu den originellsten und witzigsten Stimmen des österreichischen Journalismus. Sie war u. a....
mehr über die Autorin
Fürs Sterben ist später immer noch Zeit

Da schneit Sarah Vogel in sein Leben. Seine Sehnsuchtsfrau. Seine große Liebe. Das könnte ernst werden, Gruber spürt das sofort. Kaum haben sie sich zum ersten Mal getroffen, liegen sie auch schon in einem Hotelbett. Direkt nach dem ersten Sex bittet er sie, den Brief zu öffnen, vor dem er sich so fürchtet. Sarah erscheint die Nachricht vom malignen Non-Hodgkin-Lymphom, dem bösartigen Tumor in Johns Bauch, wie das Todesurteil ihrer Affäre. «Wahrscheinlich hält der mich jetzt für eine Art Todesengel. Der Tag, an dem er mit mir geschlafen hat, bleibt für den immer auch der Tag, an dem er dem Tod ins Auge geschaut hat, an dem er erfuhr, dass er todkrank ist. (…) Das kann der nie mehr entkoppeln. Sex und Tod. Sex mit mir und Tod.»

Auf einmal gibt es im Leben des John Gruber eine Richtung, einen Drive Richtung Zukunft. Jedes Arschloch kann sich ändern, heißt es nicht so? Da ist diese Sehnsucht, diese komische kleine Sehnsucht. Zum ersten Mal spürt er, dass er mit dieser Frau das kleine Glück zu zweit erleben kann und erleben will. Selbst der Gedanke an ein gemeinsames Kind erscheint nicht mehr völlig abwegig. «Wie biederbobo ist das denn bitte?» Na und, denkt er sich, passt schon. Und so stellt er sich der Chemo und den Strahlen. Und hat die Hoffnung, dass er das Ganze nicht nur überlebt, sondern dass am Ende des Tunnels Licht ist. Eine Perspektive. Ein Stück Zukunft.