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Dirk Steffens: Das tierische Kuriositäten-Kabinett

© Frank P. Wartenberg

Wussten Sie eigentlich, dass Spitzhörnchen massiv unter Alkoholproblemen leiden (na, nicht gerade leiden, aber definitiv schwer alkoholisiert unterwegs sind), Apothekerfrösche locker als Schwangerschaftstests dienen könnten oder der Ameisenidel nichts anderes als ein Vierfachpenis auf Wanderschaft ist? 55 Tiere, 55 Kuriositäten! Der Dokumentarfilmer und Autor Dirk Steffens, der in den vergangenen Jahren in gut fünfzig 50 Ländern rund um den Globus unterwegs war, legt ein Best of seiner tierischsten Begegnungen vor.

5 der 55 schrägen Tierchen stellen wir hier kurz vor: Seepferdchen und Seepocke, Bonobo, Nackktmull und Kiefernprachtkäfer. (Um Leserinnen und Leser mit Angstphobien zu schützen, verzichten wir auf ein Porträt des Tasmanischen Teufels. Warum? Weil dieses stinkende, knochenbrechende, infernalisch kreischende Wesen zu den schrecklichsten Irrtümern der Evolution zählt; andererseits …) Egal. los geht’s – wir määandern an der Seite unseres Faunaführers Steffens durch die skurrilen Randzonen der Schöpfung.

Glupschaugen, pazifistischer Sex & Staatenbildungsdrang

Seepferdchen. Populärname: Neuseeland-Topfbauchpferdchen. Wissenschaftlicher Name: Hippocampus abdominalis. Lebensraum: Küste von Neuseeland, Australien. Größe: 35 Zentimeter. Kuriosum: Schwangere Männchen. „Ein Fisch mit Glupschaugen, Blähbauch und Spiralschwanz, vorne Pferd und hinten Wurm: Hippocampus (‚Pferderaupe’) ist wahrlich keine klassische Schönheit, doch er vermag mit inneren Werten zu überzeugen. Während Homo sapiens sich noch immer mit der Emanzipation abmüht, ist das Seepferdchen schon ein gutes Stück vorausgaloppiert. Synchronschwimmen oder Schwangerschaft? Kein Problem für Hipppocampus-Männer!“

Bonobo. Populärname: Zwergchimpanse, Bonobo. Wissenschaftlicher Name: Pan paniscus. Lebensraum: Kongo. Größe: Gut 80 Zentimeter. Kuriosum: Sexmonster. Die Bonobos gleichen uns aufs Haar. 99 Prozent unserer Gene sind identisch, biologisch betrachtet gehören wir also wirklich zur selben Familie. Es scheint jedoch – leider! – ausgerechnet dieses kleine eine Prozent zu sein, welches völlig unterschiedliche Strategien der Konfliktlösung determiniert. Die Zwergschimpansen sind deutlich friedlicher als andere Primaten, und wenn sie doch mal aneinandergeraten, dann endet das meistens mit Sex. Unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialer Stellung lösen die schlauen Tiere ihre Konflikte mit Zärtlichkeit.“

Nacktmull. Populärname: Nactmull, Mol-Ratte. Wissenschaftlicher Name: Heterocephaslus glaber. Lebensraum: Ostafrikanische Halbwüsten. Größe: 15 Zentimeter. Kuriosum: Hässlich, schmerzfrei, staatenbildend. „Ein vollständig missglücktes Gen-Experiment mit Laborratten? Der Beweis für Gottes Fehlbarkeit? Oder existieren diese Tiere bloß, weil es vollendete Schönheit nur geben kann, wenn auch das Gegenteil existiert? Regelmäßig wird der Nacktmull zum hässlichsten Tier auf dem gesamten Erdenrund erklärt. Das ist gemein, aber nicht ganz falsch. Hübsch sind sie tatsächlich nicht. Aber in vielerlei Hinsicht einzigartig. (…) Neben den Menschen sind die Nacktmulle die einzigen Säugetiere auf der Erde, die Staaten bilden. (…) Für Wissenschaftler sind die Wühlnager wahre Wundertiere, denn sie sind extrem langlebig, können 30 Jahre schaffen. (…) Wer von so überragender Bedeutung für die Wissenschaft ist, muss natürlich auf sein Äußeres nichts geben. Wahre Schönheit, der Nacktmull beweist es, kommt eben doch von innen.“

Riesenpenis & Feuersucher

Seepocke. Populärname: Seepocke. Wissenschaftlicher Name: Balanidae. Lebensraum: Alle Weltmeere. Größe: 1,5 Zentimeter. Kuriosum: Super-Kleber und Riesenpenis. „’Größe ist nicht entscheidend’, lautet der vielzitierte Satz, mit dem Frauen frustrierte Männer trösten. Natürlich ist das nur eine nette Lüge. Je größer der Penis, desto häufiger kann man Sex haben – das ist eine biologische Gewissheit, die zumindest für Seepocken uneingeschränkt gilt. Sie haben, relativ zur Gedamtgröße, die längsten der Welt. Wer mit einem Penis gesegnet ist, der die achtfache Länge des eigenen Körpers erreicht, muss natürlich Kompromisse machen. Es ist leicht vorstellbar, wie schwierig der Alltag für einen Mann mit einem Vierzehn-Meter-Genital zu meistern wäre …“.

Kiefernprachtkäfer. Populärname: Schwarzer Kiefernprachtkäfer. Wissenschaftlicher Name: Melanophila acuminata. Lebensraum: Koniferenwälder, gemäßigtes Klima. Größe: Circa 1 Zentimeter. Kuriosum: Tierischer Feuermelder. „Ein Insekt, welches zielsicher auf glühende und qualmende Baumstämme zurast, anstatt in die entgegengesetzte Richtung und damit in Sicherheit zu fliegen, muss schon ziemlich meschugge sein. Melanophila acuminata betreibt diesen Irrsinn aber mit einem Tempo und einer Präzision, die das Interesse der Wissenschaft geweckt haben. So blöd kann doch kein Käfer sein, dass er ständig aus Versehen in die falsche Richtung fliegt und sich brenzligen Situationen aussetzt. Oder? Da wird jeder Brandschützer schwarz vor Neid: Angeblich soll der kleine Käfer Feuerherde noch aus einer Entfernung von 80 Kilometern orten können. Selbst kleinste Kokeleien spürt er und fliegt sofort darauf los. (…) handelsübliche Rauch- und Feuermelder sind im Vergleich zu den Sinnesorganen des kleinen Insektes bestenfalls grobbehauene Steinzeitwerkzeuge …“