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Dirk Nowitzki u.a.: Nowitzki

© Hergen Schimpf

Mit dem 4:2-Triumph der Dallas Mavericks im NBA-Finale über das Starensemble der Miami Heat hat sich Dirk Nowitzki einen Platz im Olymp deutscher Sportheroen gesichert. 13 Jahre NBA, 13 Jahre Dallas Mavericks - nun hat sich der Würzburger endlich seinen Traum vom Meistertitel in der besten Basketball-Liga der Welt erfüllt. Anlass genug, auf ein Buch hinzuweisen, das seinen Werdegang vom schlaksigen Talent der DJK Würzburg zum neben Larry Bird (Boston Celtics) besten weißen Basketballer aller Zeiten. Peter Sartorius und Joachim Mölter haben die erste Biographie von, mit und über Dirk Nowitzki vorgelegt: eine authentische Nahaufnahme, ein Stück spektakulärer Sportgeschichte.

«Er spielte wie Shaquille O'Neal» – und im vierten Viertel wie Michael Jordan. Wenn er Lunte riecht, ist er nicht zu stoppen. Es hieß, er sei weich. Streicht das, er ist nicht mehr weich. Es hieß, er könne nicht zum Korb ziehen. Streicht das, er zieht zum Korb. Jetzt ist er der NBA-Champion. Er ist ein Gewinner. Er hat mentale Stärke gezeigt wie noch niemand in der NBA." (NBA-Legende Earvin "Magic" Johnson)

«The German Wunderkind»

Alles begann am 26. Juni 1998. Der Tag, an dem ein junger Würzburger Kurs aufs Basketball-Wunderland Amerika nimmt. Am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen treffen drei Amerikaner ein. Vater Don und Sohn Donnie Nelson, Trainer der Dallas Mavericks der eine, Sportdirektor der andere. Der Dritte im Bunde ist Ross Perot Jr., der Erbe des texanischen Ölmilliardärs und ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten. Als Besitzer der NBA-Franchise Dallas lässt es sich Perot jr. nicht nehmen, in seinem schneeweißen Privatjet von Nizza nach Frankfurt zu jetten, um höchstpersönlich den Deal unter Dach und Fach zu bringen: nämlich einen jungen Mann, dessen Namen allenfalls Basketball-Enthusiasten ein Begriff ist, nach Dallas zu holen. Der Deal glückte, wie man weiß.

Ein komplizierter «Ringtausch» hatte den jungen Deutschen bei den sog. Drafts 1998, als Nr.-9-Pick über den Umweg Milwaukee zu den Dallas Mavericks. Die Drafts sind der alljährlich in Amerika mit großer Spannung verfolgte Poker, bei dem sich entscheidet, welche Collegestars und Nachwuchscracks aus Europa, China und Südamerika bei welchen US-Proficlubs landen. Das Prinzip: Die schwächsten Teams haben in jeder Runde das Recht der ersten Zugriffe. Und so kam Dirk, das «German Wunderkind» in die texanischen Metropole, wo er, der Forward mit der Rückennummer 41, in der imposanten American Airlines Arena, «einer Kathedrale des Sports mit einer Klinkerfassade in Backsteingotik», zum Star wurde: in der besten Profiliga der Welt, zu deren Ikonen Spieler wie Kareem Abdul-Jabaar, Earvin «Magic» Johnson, Larry Bird und Michael «Air» Jordan zählen.

Technik, Athletik, Eleganz am Ball

Eingefädelt hatte die «Operation NBA» Holger Geschwindner. Der Kapitän der deutschen Basketball-Olympiaauswahl von 1972, als Mathematiker und Projektmanager ein Mann mit weitgefächerten Interessen, verfolgt als Mentor Nowitzkis seither unbeirrt seine Vision, ihn zu einer der Lichtgestalten in der Historie des Basketballs zu machen. Der 2,13 m große Würzburger ist mit außergewöhnlichen Talenten gesegnet: Athletik, Ballgefühl, Spielwitz, rasche Auffassungsgabe – kein Wunder bei den sportlichen Genen, die er von Hause aus mitbringt: Seine Mutter Helga war Basketball-Nationalspielerin, sein Vater Jörg bei den Handballern der TG 1848 Würzburg ein wurfgewaltiger Rückraumschütze.

Noch immer lässt Gschwindner den Superstar der Mavericks an den tausend Details dieses hochkomplexen Sports feilen: Dribbling, Passspiel, Freiwürfe, Blocktechnik, Rebounds, Dreier. Das ganze Repertoire, immer und immer wieder, bis zur völligen Erschöpfung. Diese harte Schule hat Nowitzki vom deutschen Provinztalent zu einem der aufregendsten Spieler der NBA reifen lassen. Trotz eines phänomenalen Vertrags, der ihm jährlich rund 15 Mio. Dollar einbringt, ist er ein Typ ohne alle Starallüren. Während die meisten schwarzen NBA-Größen mit Ghetto-Background ihren Reichtum demonstrativ herauskehren und mit Statussymbolen protzen, mit grellen Tätowierungen, fettem Goldschmuck und einem Fuhrpark voll superteurer Autos, hält sich der scheue Deutsche auffallend zurück.

He did it!

Bei Sartorius/Mölter kommt auch der private Nowitzki nicht zu kurz. Der Rockgitarrist, der die Stones liebt und jetzt Klavier lernt. Der Schuhberserker, der seine Basketball-Latschen (Größe 50) nach einer (!) Woche wegwerfen muss, weil sie verschlissen sind. Der Mann, der sich für die Aids-Kinderhilfe der Unicef engagiert und den es in Mikronesien auf Briefmarke gibt. «Was, wenn Sie 3 Wünsche frei hätten?», fragte ihn einst die Sport Bild. Antwort: «Erstens: Keine Interviews mehr geben müssen. Zweitens: Kein Training mehr mit Schleifer Holger Geschwindner. Drittens: Eine Familie mit ein paar Kids gründen …»

Zu ergänzen wären als Wünsche Nr. 4 und 5: Einmal das NBA-Finale gewinnen (nach dem doppelten Playoff-Debakel der Jahre 2006/07 im Finale gegen Miami Heat und dem Erstrunden-Aus und 2007/08 gegen die Golden State Warriors) – und bei der Olympiade in Peking dabeisein zu dürfen.

Zumuindest Wunsch Nr. 4 und 5 sind vom Zettel. Am Rest wird der 2,13-Mann aus Würzburg, wie wir ihn kennen, mit Lust und Liebe arbeiten.