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Es wäre supercool, wenn er nicht er wäre. Findet der Held in Dietrich Fabers Krimi Toter geht's nicht, Henning Bröhmann. Der Kriminalhauptkommissar im oberhessischen Alsfeld müsste nicht Broschüren zum Thema «Verkehrssicherheit im Vogelsberg. Was können auch Sie tun?» überarbeiten. Er würde nicht in einer Doppelhaushälfte im spießigen Bad Salzhausen leben, sondern auf St. Pauli oder in Berlin-Kreuzberg. «Ich hätte nicht zwei Kinder von einer Frau. Ich hätte vier Kinder von fünf Frauen. Und diese wären auch nicht Lehrerinnen, sondern ausgewandert nach Neuseeland, würden dort Schafe züchten und Bestsellerromane schreiben» oder so. Aber so geht’s im Leben des Henning Bröhmann nicht zu, weiß Gott nicht. Stattdessen muss er den Mord an einem Sensenmann aufklären. Ja, Sie haben richtig gehört!
Dietrich Fabers Roman ist ein wahrer Krimispaß (übrigens mit einer phänomenal guten Auflösung!). Als Teil des mit zahlreichen Kabarettpreisen dekorierten Duos FaberhaftGuth (Kompagnon: Martin Guth) kennt er sich mit Dramaturgie und Erzähltempo, mit Klamauk und Cliffhangern bestens aus. Schon jetzt darf man sich auf Henning Bröhmanns nächste Fälle freuen. Wer weiß, vielleicht tut sich in Sachen Job in Zukunft ja noch was? Träumen darf man ja! «Ich wäre dann irgendwo da draußen, wo es wirklich wehtut. Ich würde behinderte osteuropäische aidskranke Kinder vor der Zwangsprostitution retten und dabei ganz beiläufig aufdecken, dass der vom schwulen Oberstaatsanwalt gedeckte Innenminister mit Drogen handelt und früher vom zukünftigen Papst in einer Jesuitenschule sexuell missbraucht wurde.»
Für seinen Namen kann er nichts. Für alles andere schon. Bevor wir uns mit dem am Feuerwehrgerätehaus von Nidda erschlagenen Lüstling zuwenden, soll Familie Bröhmann kurz vorgestellt werden. Bröhmanns Vater: altgedienter Vorsitzender des Faschingsvereins Rudinghain e.V. und Ex-Chef des Polizeipräsidiums Osthessen – ein notorischer Besserwisser und Interventionist. Ehefrau Franziska: ist als Mutter und Lehrerin am Ende ihrer Kräfte. Frustriert, zermürbt, ausgebrannt. Und tief enttäuscht von Henning. Just in dem Moment, als ihr Mann am Telefon vom Mord am Sensenmann in Nidda hört, lässt sie ihn wissen, dass sie weggeht. Und plötzlich ist Kommissar Bröhmann alleinerziehender Vater.
Es ist wie im Hit der Fantastischen Vier: «Sie ist weg, und ich bin so allein, allein …». Total allein ist er natürlich nicht, dafür sorgen Melina, Laurin und Berlusconi. Melina ist 14 und krass drauf, Spezialität: Klartextansagen. Bevor sein Pubertier zum «fuck Faschingszug» von Nidda verschwindet, glaubt Henning Böhmann seinen Augen nicht zu trauen. «Als was gehst du?» «Als Nutte.» Ihrem Papa wackeln nur noch die rotglühenden Ohren. Laurin ist 5 und deutlich pflegeleichter. Was sich daran zeigt, dass man Bröhmann Junior mit Eintracht-Frankfurt-Bettwäsche zu einem sehr, sehr glücklichen Kind machen kann. Laurin ist der «reformpädagogischen elternselbstorganisiertundverwalteten Kindertagesstätte Schlumpfloch e.V. untergebracht, deren ungekrönter König Wolle ist (der Mann von Molli): eine Nervensäge, die seit 14 Jahren an ihrer Philosophie-Doktorarbeit sitzt, ein moralinsaurer Möchtegerndiktator.
Einer aus der Brohmann-Combo fehlt noch: Berlusconi. Der Familienhund heißt so, weil sich Franziska und Henning bei der Namensfindung nicht auf Putin einigen konnten. Berlusconi heißt die osteuropäische Promenadenmischung wegen ihres Heißhungers auf junge Häschen. Von Berlusconis lautstarker Verdauung weiß das gesamte Alsfelder Kommissariat ein Lied zu singen …
Aber hallo!< Am Vogelsberg, der Landschaft mit Europas größtem Basaltmassiv, wird in der Regel nicht gemordet. In der Regel. Aber wenn schon mal einer über die Klinge spricht, sollte das auch nicht ungesühnt bleiben. Bröhmanns Lieblingskollege Markus Meirich fällt aus privaten Gründen für die Ermittlungen aus, Kollegin Meisler spielt mit dem Gedanken, nach Berlin zu gehen, und Kollege Teichner ist ein Arsch mit Ohren, ein elender Schnacker mit einem Riesenrepertoire unfassbar blöder Sprüche. Also muss Bröhmann ran. Auch wenn ihm wegen Franziskas Untertauchen und der heiklen Restfamilie grad etwas mulmig zumute ist. (Zum Glück ahnt Kommissar Bröhmann da noch nicht, dass Franziska noch ganz andere Gründe als ihn selbst besitzt, ein ruhiges Fleckchen zum Nachdenken zu suchen …)
Der Tote ist Klaus Drossmann, 61. Jahrelang mischte er als Pianist in diversen viertklassigen Schlagercombos mit, ehe er 1989 plötzlich das Weite suchte und in Nidda nicht mehr gesehen ward. Bis er im Sensenmannkostüm hinter dem Feuerwehrhaus der Stadt sein Ende fand. Die Tatwaffe: ein Eisenrohr. Was Drossmann sonst noch so trieb, liegt auf der Hand, als die Polizei bei seinem Sohn in Gießen Hunderte von Schmuddelvideos findet, aufgenommen von Drössmann sen.
Erst als Herbert Ruland, Künstlername: Herr Bärt, ins Visier der Ermittler gerät, kommt Bewegung in die Sache. Herr Bärt ist der Mann, der mit dem schlüpfrigen Schunkelhit «Lass uns fummeln, Pummel» reich geworden ist; 1,3 Millionen verkaufte Tonträger sind kein Pappenstiel. Und wie das Leben so spielt, haben Kommissar Bröhmann und seine Kollegen urplötzlich ein erstklassiges Motiv für den Mord an Klaus Drossmann in den Händen …