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Ist Paris noch die Stadt der Liebe? Wo liegt eigentlich Absurdistan? Wie stirbt es sich in Texas? Und: Braucht man eigentlich einen Führerschein, um auf einem Elefanten reiten zu dürfen? Keine Frage zu abwegig, keine zu schwierig für den Reporter und Fernsehautor Dennis Gastmann. Mit 80.000 solcher Zuschauer-Fragen reiste er zwei Jahre lang in der Welt herum. Und präsentiert nun in seinen Reportagen 22 Antworten. Oder besser: Er nimmt den Leser mit auf seine Recherche.
Etwa nach Panama, das ja, oh, so schön ist – wie die Janosch’sche Tigerente und der Bär entdeckt haben. Gastmann ist so überwältigt von der Altstadt von Panama City, dass er sich wünscht, «auch meine Heimatstadt Osnabrück wäre von den Spaniern kolonisiert worden». Dann sieht er im angrenzenden Armenviertel den Beton-Wahnsinn und weiß: «Hier hätten Tiger und Bär sich niemals wohlgefühlt.»
Auf den Spuren von Che Guevara in Bolivien, auf der Suche nach der Wiege der Menschheit in Addis Abeba, auf Recherche nach den Spitzhüten des Ku-Klux-Klan – Gastmann verliert seine Ursprungsfrage nie aus dem Blick. «Verzeihung, sind Sie ein Verbrecher?», fragt er einen Mann in der ehemaligen Sträflingskolonie Australien auf der Straße. Der Mann grinst. «Naja, wir alle waren einmal Verbrecher», sagt der.
Mit einer Mischung aus Chuzpe und Charme lockt Gastmann seine Gesprächspartner heraus und bleibt dabei als Reporter durchaus im Bild – bis hin zu wagemutigen Selbstexperimenten, etwa in einer Stierkampfarena. Etwas Reporterglück allerdings ist auch dabei. Etwa in Argentinien. Gastmann geht der Frage nach, ob es dort noch Nazis gibt. In dem Ort Bariloche fahren er und sein Kameramann am Haus des verurteilten Naziverbrechers Erich Priebke vorbei. In dem Moment öffnet sich die Tür und Priebke junior kommt heraus, seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Und, wie sich im Gespräch zeigt, seinem Vater bis heute gedanklich treu ergeben.
Mit leichter Hand und in lockerem Plauderton gelingt es Gastmann, blitzlichtartig Geschichte und Lebensverhältnisse des jeweiligen Landes zu beleuchten. Oder den Leser, wie bei der Frage nach Adam und Eva, mal eben auf vier Absätzen munter durch die Evolution spazieren zu lassen. Nicht nur Wilma Brunkhorst, die 88jährige Dame aus Wremen, wird ihre Freude daran haben. Bei ihr startete Gastmann seine Tour. Und bei ihr beendet er sie. Mit der Antwort auf ihre Frage: Warum ist der Neger schwarz?
(>us: Rowohlt Revue91, Autorin: Mara Tonndorf)