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David Safier: Jesus iebt mich

© Ulf K.

Mit Mieses Karma und Jesus liebt mich hat David Safier gleich zwei Romane mit Karacho in die Bestsellerumlaufbahn geschossen. (Seine Fans können sich jetzt bereits auf den nächsten Streich freuen – in wenigen Monaten erscheint Safiers dritter Roman). Zum Erscheinen von Jesus liebt mich haben wir uns mit dem Bremer Autor über Gott, die Welt und (Werder) Bremen unterhalten …

DAS INTERVIEW

In Mieses Karma wird reinkarniert, dass es eine helle Freude ist: von der Ameise über diverse Mutationen bis zur Frittenfee. Jetzt, in Ihrem neuen Roman Jesus liebt mich, sorgt Gottes Sohn höchstpersönlich im Leben einer einfachen jungen Frau für maximale Konfusion. Wie viel Ernst liegt für Sie im Spiel mit der Transzendenz?
Ernst nehme ich diese ganzen Fragen nach dem Sinn des Lebens (und des Jenseits) schon, zumal meine Eltern und meine Schwester verstorben sind. Aber in erster Linie sind die beiden Bücher Unterhaltungsromane, die Spaß machen sollen. Der Ernst liegt als Schicht darunter, wer will, kann das erkennen und genießen. Und ich glaube auch, dass ohne ein bisschen Ernst der Spaß auch nie funktionieren würde. Wie heißt es doch so schön: Komödien sind Tragödien, an denen man gerade noch so vorbeigeschrammt ist.

Was treibt den Zimmermann Jesus/Joshua ausgerechnet nach Malente? Dass nicht nur die wunderbare Lolle aus Malente nach «Berlin, Berlin» aufbrach, sondern auch noch Jesus und der Erzengel Gabriel im Ostholsteinischen landeten, muss doch einen Grund haben. Aber welchen?
Ich brauchte einen Ort, an dem ein See ist, denn in einer Schlüsselszene von Jesus liebt mich geht Jesus über den Malenter See und Marie glaubt ihm dann endlich, dass er der Messias ist. Außerdem brauchte ich einen kleinen, unbescholtenen Ort, denn ich fand es spannend, dass Jesus, Gott, Satan und der Erzengel Gabriel in so einem gewöhnlichen Örtchen sich Ihr Stelldichein geben.

Wo gehobelt wird, da fallen Späne … Man möchte sich am liebsten all die tolldreisten Kalauer rausschreiben. Was glauben Sie, wie könnte die durchschnittskatholische Reaktion auf Ihren in religiösen Dingen arg freizügigen Roman aussehen?
Dieses Buch ist ja keineswegs mit blasphemischer Intention geschrieben worden, es soll niemand verletzen, und ich hoffe daher wirklich, dass es auch gläubige Katholiken zum Lachen anregt. Aber ich muss zugeben, auch ich bin schwer gespannt auf die Reaktionen und auf die Diskussionen bei meinen Lesungen. Bisher sind sie sehr positiv. Sowohl bei Gläubigen als auch bei Atheisten.

Autoreninfo

David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der letzten Jahre. Seine ersten beiden Romane "Mieses Karma" und...
mehr über den Autor
Bohlen, Lolle, SV Werder

Modern Talking scheint nicht zu Ihren erklärten Lieblingen zu gehören, Sätze wie «Wenn es einen Gott gibt, warum gibt es dann so Dinge wie Nazis, Kriege oder Modern Talking?» legen das nahe. Preisfrage: Mit welchem marketingtauglichen Satz würde Dieter Bohlen wohl Jesus liebt mich in die Umlaufbahn jagen?
«Ey, das ist voll der göttliche Hamma, ey!!!» Obwohl ich auf so ein Marketing wohl gerne verzichten würde.

Für die ARD-Sitcom «Berlin, Berlin» wurden Sie hoch dekoriert, mit dem Grimme-Preis und dem Emmy. War die Arbeit an ihrem ersten Roman auch ein Stück Erholung nach dem ungeheuren Rummel um Lolle und die anderen «Berlin, Berlin»-Protagonisten?
Es war keine Erholung, sondern eine Abwechslung. Ich genieße die Freiheit, die ich beim Schreiben von Romanen habe. Ich muss auf keine Produktionsbudgets achten, auf keine Einschaltquoten und Werbespots. Ich kann also meiner Phantasie ungehindert freien Lauf lassen, ohne irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen. Und das macht unglaublich viel Spaß!

Apropos Drehbuch- und Romanautor: Wie kann man sich das vorstellen – heute Dialogsequenzen für ein Drehbuch, am Wochenende weiter auf der Langdistanz, dem Roman? Kann man überhaupt parallel an derart unterschiedlichen Projekten arbeiten?
Parallel nicht. Ich arbeite hintereinander. Eine Hälfte des Jahres verbringe ich mit dem Schreiben von Romanen, die andere mit der von Drehbüchern. So schreibe ich derzeit unter anderem an der Kinoverfilmung von Mieses Karma für die Ufa Cinema.

Sie wurden in Bremen geboren, sie leben in Bremen: Was hat Bremen (abgesehen vom SV Werder), was andere Städte nicht haben?
Meine Familie und meine Freunde.