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David Safier: Happy Family

© Ulf K.

David Safier, der Alleskönner, der Zauberkünstler. Eine TV-Moderatorin hat er in eine Ameise verwandelt, Joshua alias Jesus als Zimmermann in Malente auf die Piste geschickt und eine liebeshungrige Grundschullehrerin via Hypnose in den Körper des größten Dramatikers der Weltliteratur gebeamt – siehe Mieses Karma, Jesus liebt mich und Plötzlich Shakespeare. Safier ist für jede Überraschung gut, dafür lieben ihn seine Leser.
Auch in Happy Family gibt David Safier wieder richtig Gas, schließlich geht es um das Romanthema schlechthin: die Familie, ihr Glück und ihr Leid, ihre Macken und tragikomischen Albernheiten.

So sind sie, die Wünschmanns

So richtig glücklich sind die Wünschmann in ihrer aktuellen Verfassung wirklich nicht. Emmas Kinderbuchladen LEMMI UND DIE SCHMÖKER in Berlin läuft mehr schlecht als recht. Viel guter Wille, kaum Kunden, wenig Kohle. Die schlechte Geschäftslage hindert Emma nicht, Cheyenne, die «älteste Hippiefrau des uns bekannten Universums» (und mit einem Liebesleben von absolutem Weltklasseformat gesegnet!), in ihrem Laden zu beschäftigen. Mit wem Cheyenne nicht alles im Bett war! Jim Morrison, Che Guevara, Carlos, John Lennon, Paul McCartney, um nur mal einige bekannte Nasen zu nennen.

Frank, Emmas Mann, ist ein Gescheiterter. Als Anwalt wollte er er den Schwachen & Entrechteten dieser Welt zur Seite stehen, doch die Wogen des Lebens spülten ihn in die Gegenrichtung: in die Rechtsabteilung einer Bank. Teenagertochter Fee durchlebt eine schwer renitenten Phase, sie hadert mit ihrem Schicksal im Allgemeinen und mit ihrer Flachbusigkeit im Besonderen; außerdem droht dem Pubertier mit der «Mathe-Begabung eines Labradors» in der Schule eine Ehrenrunde. Ihr zwölfjähriger Bruder Max ist dagegen eine Intelligenzbestie, was ihm regelmäßig den Zorn seiner großen Schwester einbringt: «Halt den Mund, oder ich verkaufe dich als Robbe an den Zirkus.» Das sind die Wünschmanns.

Autoreninfo

David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der letzten Jahre. Seine ersten beiden Romane "Mieses Karma" und...
mehr über den Autor
Auch Vampire können weinen

Das Verhängnis beginnt, als Lena zu einem Kurzbesuch in Emmas Laden einfällt. Vor fünfzehn Jahren waren die beiden junge Verlagslektorinnen. Während Emma aber erst Frank und dann zwei Kinder bekam, bekam Lena ein Traumangebot: Karriere in London. Nun lädt sie Emma und ihre Familie zu einer Buchpräsentation der berühmten Stephenie Meyer im Ritz Carlton Hotel ein. Weil sie von Lenas Offerte nur die Hälfte mitbekommen hat, verdonnert Emma die Ihren dazu, in superalbernen Kostümen bei der Lesung anzutanzen: Frank als Frankenstein, Fee als Mumie, Max als Werwolf und sie selbst als Vampirin. Niemand ist verkleidet, nur sie, die vier Wünschmann-Deppen, ein peinliches Desaster.

Auf dem Heimweg ist die Stimmung am Boden. Bis Emma eine alte Bettlerin fast über den Haufen fährt. Und nun heißt es: Vorhang auf für die Monstershow! Geplänkel hier, böse Worte da, jedenfalls verzaubert die alte Hexe Baba Yaga sie unter Zuhilfenahme smaragdgrüner Blitze und einem aus wenig Latein und viel Nonsens bestehenden blöden Spruch. Die Strafe ist übel: Die Wünschmanns bleiben genauso, wie sie in jenem unseligen Moment dort auf der Straße herumlungern: Frankenstein, Vampir, Mumie, Werwolf.

Baba Yagas Vermächtnis

Jetzt ist guter Rat teuer – und die Rettung, nämlich der Gegenzauber, wartet weiß Gott nicht hinter der nächsten Ecke! Sondern im hintersten Winkel von Transsylvanien, im Land des Fürsten Vlad Tepes, besser bekannt unter dem Namen Dracula. Also: Auf nach Transsylvanien, und zwar in Cheyennes uraltem hippiegelben VW-Bus. Vorher aber müssen, so will es der Zeremonienmeister David Safier, erst noch die Stationen Wien (Madame Tussaud!) und Ägypten (Pharao Imhotep!) abgearbeitet werden, und das unter elendem Zeitdruck (3 Tage!)

Wie das Leben so spielt, müssen Emma und Frank auch noch gewisse erotische Dissonanzen aushalten. Inmitten der Wünschmann'schen Odyssee gen Transsylvanien taucht selbjeniger Dracula auf und bezirzt die Vampirin Emma: nach Kräften und durchaus mit Erfolg. Emma hat himmlischen Sex mit dem Fürsten der Finsternis, was völlig okay ist, weil, wie sich später herausstellt, Frank vor seiner Transformation in Frankenstein bei einer Ägypten-Reise die bildschöne Suleika kennen und lieben gelernt hatte.

Ob die Wünschmanns doch noch die Kurve kriegen und zu einer richtigen «happy family» ohne Monsterverkleidung werden?