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Fünfundzwanzig Jahre nach ihrem von sentimentalen Erinnerungen umrankten Treffen macht sich die Clique von einst erneut auf den Weg zu der einsamen Berghütte nahe Peñahonda. Gleicher Tag, gleiche Uhrzeit – alle zurück auf Los. Was als launiges Abenteuer einer Gruppe von neun Menschen beginnt, endet in einer unbegreiflichen Katastrophe. Irgendetwas ereignet sich in jener Nacht: ein Unfall, ein Unglück, ein namenloses Unheil, niemand weiß es. Einer nach dem anderen verschwindet plötzlich auf Nimmerwiedersehen … Mit Ende gelang David Monteagudo in Spanien ein furioser Überraschungsbestseller. Viele Verlage hatten das Manuskript abgelehnt, bis ein Kleinverlag zugriff und sich eine literarische Perle sicherte: «Der außergewöhnlichste Roman, den Sie je gelesen haben.» (ABC)
Natürlich ist es die umtriebige Nieves, die den Rest des Haufens zusammentrommelt. Hugo kommt mit seiner Frau Cova; ebenso Rafa und Maribel, das einzige Pärchen der Clique und seit langem verheiratet; Ibáñez, der «Proletarier» (der damals ständig mit seinem Lieferwagen herumfuhr); Ginés reist mit einer auffallend hübschen jungen Frau an, Marìa; auch Amparo, die nach ihrer Scheidung von Männern endgültig genug hat, ist gekommen – und eben Nieves, ebenfalls Single. Nur einer fehlt – Andrés, «der Prophet».
Ehemalige Freunde, die sich längst aus den Augen verloren haben, treffen sich nach einem Vierteljahrhundert, um … ja was eigentlich? Ja, es gab diesen komischen Schwur, aber den hat doch schon damals niemand ernst genommen – «die Idee, fünfundzwanzig Jahre später nochmals hinzufahren ..., unabhängig davon, ob wir dann noch Freunde sind oder nicht, egal, wo wir wohnen, ob wir verheiratet sind, getrennt leben, Kinder haben. Damals haben wir alle feierlich geschworen, an diesem Jahrestag nicht zu kneifen.»
Eigentlich knistert und kriselt es von der ersten Minute ihres Wiedersehens. Hugo, der verhinderte Schauspieler, und Cova stecken in einer handfesten Ehekrise, auch Mirabel und Rafa leben aneinander vorbei; Ibáñez bringt wie früher keinen Satz ohne ironische Anspielung und Witzelei über die Lippen; Amparo reibt sich verbiestert an ihm und Hugo, den ewigen Sprücheklopfern der Clique. Und Ginés? Hat zur Kaschierung seines kleinen feinen Geheimnisses María extra für das Treffen engagiert, eine Eskortdame – «und zwar die teuerste, soweit ich weiß, aber auch die beste ... Mein Job besteht darin, dich gut aussehen zu lassen.»
Spät am Abend passiert etwas Erschreckendes, Unbegreifliches. Ein Lichtblitz jagt über den bis dahin von dichten Wolken verhangenen Himmel. Plötzlich ist er «übersät, ja überschwemmt von Sternen. Lichtstaub aus Millionen winziger Teilchen, die sich an manchen Stellen dicht drängen.» Mit dem überwältigenden Aufmarsch der Sterne sind alle anderen Lichter verlöscht. Totaler Stromausfall. Der CD-Player verstummt wie von Geisterhand. Tiefste, schwärzeste Dunkelheit, nicht ein Schimmer am Horizont. Kein Handy funktioniert mehr. Kein Auto springt mehr an. Kein Flugzeug ist am Himmel zu sehen. Es herrscht absolute Stille.
Sofort machen die wildesten Spekulationen die Runde: Atomunfall, Virusattacke, mysteriöse Weltraumstrahlung, selbst Außerirdische werden als Drahtzieher des Blackouts in Erwägung gezogen. Irgendwann beschließen sie, ins Bett zu gehen, den nächsten Tag abzuwarten. Alles wird sich von selbst richten, glauben sie. Aber nichts wird sich richten. «Das muss was Größeres sein,», mutmaßt Ibáñez. Niemand ahnt, wie groß dieses Unbekannte ist und was es mit ihnen machen wird. Der Horror hat gerade erst begonnen …
Rafa ist der Erste, der verschwindet: der Autofreak und Macho. Dass er – wie in der Geschichte von den zehn kleinen Negerlein – der Erste in einer Kette von Verschwundenen ist, ahnt da noch niemand. Cova ist die Nächste, dann Ibáñez, dann …. Einer nach dem anderen. Lautlos lösen sie sich in der Landschaft auf. Sind einfach weg, wie Figuren, die ohne ersichtlichen Grund aus dem Spiel genommen werden.
Die Stimmung wird langsam hysterisch. Längst sind die Sticheleien Gereiztheit und nackter Angst gewichen; allein Ginés und María bleiben cool, auch wenn sie keine rationalen Erklärungen für das Geschehen anzubieten haben. Eine böse Vorahnung scheint sich zu bestätigen. Weil ihre Autos unbenutzbar sind, machen sie sich auf den Weg nach Somontano, die nächste erwähnenswerte menschliche Ansiedlung. Kein Mensch weit und breit ist zu sehen. Kein Landarbeiter, Wanderer, kein Bergsteiger. Dafür wirken die Tiere wie aufgedreht, fremd und bedrohlich in ihren Reaktionen. Je weiter sie wandern, desto bizarrer sind ihre Begegnungen: Wildschweine, Geier und Bären, Kamel, wilde Windhunde, Tiger.
Was ist damals wirklich mit Andrés passiert?. Alle waren an der Demütigung des «Propheten» beteiligt, der sie durch seine penetrant moralisierende Tour ständig aufbrachte. Nur indirekt wird über die derbe Lektion gesprochen, die dem Außenseiter der Clique verpasst wurde. Als Nieves dann endlich preisgibt, dass er es war, der Prophet, der in Wahrheit diese «Wiedersehensparty» initiiert und organisiert hat, ist das Erschrecken groß.
Andererseits –was kann ein einzelner Mensch mit einer Katastrophe solchen Ausmaßes zu tun haben? Man liest atemlos weiter und weiter und weiß doch nie, wie das alles enden wird. Nicht einmal des Genres kann man sich bei David Monteagudo sicher sein. Was liest man hier eigentlich: einen Kriminalroman, ein mystisches Weltuntergangsszenario, einen Horrorschocker? Und so dreht sich die Spannungsschraube unerbittlich weiter: bis zur allerletzten Seite. Bis zum bitteren Ende …