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David Baker/Todd Ratcliff: Extreme Orte

Okay, über reichlich Sonne konnten wir uns in unseren Breiten zuletzt nicht beklagen, gefühlte sechs Wochen Hitze bis weit über 30 Grad Celsius. Aber was ist das schon gegen den Uranus? Dort ist einundzwanzig Jahre lang wilder heißer Sommer! Ganz anders die Verhältnisse auf dem Merkur; obwohl er vergleichsweise nahe an der Sonne durch die unendlichen Weiten kreist, ist er eine einzige Eishölle. Die Venus, ein Turbo-Treibhaus, glühend heiße Superblitze auf dem Saturn – und auf dem Mars ein unglaublicher Berg, 27 Kilometer hoch …
In unserem Sonnensystem wimmelt es nur so von ausgefallenen Orten. Hinreisen, um diese mit eigenen Augen zu bestaunen, ist aus nachvollziehbaren Orten (derzeit) so gut wie unmöglich. Schön, dass es den opulent bebilderten Band Extreme Orte gibt: David Baker und Todd Ratcliff laden uns zu einer unvergesslichen Sightseeing-Tour zu den verrücktesten, schönsten, erschreckendsten Sehenswürdigkeiten jenseits unserer guten alten Mutter Erde ein.


Wie die Idee zu diesem Buch geboren wurde, lässt sich nicht mehr ganz genau klären. Klar ist nur, dass David Baker, damals Gastforscher am NASA Goddard Space Flight Center, und Todd Ratcliff, am NASA Jet Propulsion Laboratory mit Spezialproblemen der Raumschiffnavigation befasst, ins Gespräch kamen über extreme natürliche Phänomene. «Und dann begannen die Ideen nur so zu sprudeln. Als Planetenforscher waren wir ja nicht auf extreme Wetterereignisse und den Planeten Erde festgelegt: Was sähen wir, wenn wir durch Jupiters Großen Roten Fleck flögen? Gibt es auf dem Titan Sturzfluten aus Methan? Lässt sich irgendetwas in unserem Sonnensystem mit der heftigen Vulkanaktivität auf Io vergleichen?»

Der 125-Millionen-Dollar-Fehler

Um manche Phänomene wissenschaftlichen Laien in ihrer Krassheit überhaupt einigermaßen begreiflich zu machen, stellen Baker/Ratcliff Mengen in mehreren Maßeinheiten nebeneinander. Auch wenn etwa Kelvin die unter Wissenschaftlern gängige Temperatureinheit ist, finden sich Temperaturangaben hier auch in Celsius. «Behalten Sie aber im Hinterkopf, dass man Maßeinheiten in der Praxis nur allzu leicht durcheinander wirft. Die Ergebnisse können verheerend sein. So zerschellte 1999 die Raumsonde Mars Climate Orbiter auf dem Roten Planeten, weil zwei Ingenieurteams verschiedene Einheiten benutzt hatten, das eine Team metrische, das andere englische. Es war ein 125-Millionen-Dollar-Fehler.»

Wieviel Spaß den Wissenschaftlern dieses Buch gemacht hat, zeigt ihre Aufforderung, aus dem Extrembündel, was wir als Leser uns nach ganz subjektiven Kriterien schnüren, das extremste/verrückteste/coolste Phänomen herauszusuchen und auf der Website www.ExtremeSolarSystem.com zum Lieblingsextrem zu voten.

Hier ein schneller Überblick, was in diesem mit aktuellem NASA-Material großartig illustrierten Band alles zu bestaunen ist:

Verdammt rekordverdächtig!

Olympus Mons – der Berg auf dem Mars, der mit einer Höhe von 27 km den Mount Everest fast zwergenhaft erscheinen lässt.
Kryovulkane – Eisvulkane im Sonnensystem, deren Temperaturen weit unter – 200 Grad Celsius legen. Das ist schon sehr k-k-kalt …
Riesenkrater – wie der Herschel-Krater auf dem SAurnmond Mimas hat einen Durchmesser von 130 ilometer.
Great Red Spot – der Große Rote Fleck auf dem Jupiter, den der italienische Astronom Giovanni Cassini 1665 zum ersten Mal sichtete – dürfte der langlebigste Wirbelsturm sein; anders als von Tiefdruck beherrschte irdische Zyklonen dreht er sich gegen den Uhrzeigersinn und erreicht Geschwindigkeiten von 700 km/h.
Neptunwinde – auf dem Gasriesen Neptun, dessen warmes Inneres irritierenderweise aus Eis besteht, wüten die heftigsten planetarischen Winde, die wir kennen.
Härtester Regen – er fällt auf Uranus und Neptun und besteht teilweise aus Eisen und Diamanten …
Die übelsten Klimageschwister – zumindest von ihnen hat man schon einmal gehört: El Niño und La Niña.
Der schmutzigste Klimawandel – hat unauslöschliche Spuren auf dem Mars hinterlassen, in Gestalt globaler Staubstürme ...

... und vieles mehr, insgesamt 50 verblüffende Phänomene

Ehe wir es vergessen: Auch die Erde ist ein Ort der Extreme. Wo sonst im Sonnensystem gäbe es so ausgefallene Dinge wie Blütenbestäubung durch Bienen, Fußball, verbrannten Toast an einer Wäscheleine, oder Staatschefs wie Silvio Berlusconi?!

David Baker, Todd Ratcliff Rowohlt 288 S.
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