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Daniel Kehlmann: Ruhm

© billy&hells

«Daniel Kehlmann hat mit seinem Roman Ruhm Weltliteratur geschaffen.» (Die Weltwoche) Ruhm, das sind neun Episoden, die sich nach und nach zu einem romanhaften Ganzen fügen. Ein flirrendes Spiel um Wirklichkeit und Parallelwirklichkeiten, um Fiktion und Metafiktion: leicht und tiefgründig, tragisch und komisch, brillant komponiert und von großer sprachlicher Eleganz. «Ein Buch von funkelnder Intelligenz» (FAZ) – jetzt neu in einer bibliophilen Schmuckausgabe.

Ein Spiegelkabinett aus Geschichten

In einm Interview mit Felicitas von Lovenberg (vgl. FAZ v. 29.12.2008) nennt Kehlmann sein neues Werk «formal das Avancierteste, was ich je gemacht habe»: «ein Experiment in Struktur (...) Der Ausgangspunkt war ein formaler. Es gibt ja diese schöne Tradition der verbundenen Kurzgeschichten, wo in einer Erzählsammlung ein paar Figuren wiederkehren, ein paar Verbindungen da sind. Meine Idee war nun, das wesentlich weiter zu treiben und zu verdichten, oder anders gesagt: die Form des Episodenfilms auf den Roman zu übertragen – also einen Roman zu schreiben, der aus Episoden besteht, jede abgeschlossen, aber alle eng zusammengehörend in einem großen Bogen.»

«Geschichten in Geschichten in Geschichten», heißt es in der neunten und letzten Geschichte von Ruhm. «Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt.» Das, was dort nach einer geschmeidigen Poetik klingt, könnte auch anders lauten: «In Wahrheit fließen alle Geschichten ineinander. Erst recht in Büchern» – zumindest in diesem.

Die Vermessung der Welt war von einer linearen Erzählweise getragen. Ruhm dagegen ist, wie der Autor selbst sagt, «ein gebrochenes und fragmentiertes Buch». Wir blicken in eine Welt, in der Handys und Computer, E-Mails und SMS den neuen technischen Standard zwischenmenschlicher Kommunikation darstellen. Eine Welt, in der das Gefühl von Zeit und Raum, wie sie die Generationen vor uns noch kannten, im binären Echtzeit-Wahn unterzugehen droht. Eine Welt, in der man sich so leicht verlieren, so leicht verloren gehen kann.

Autoreninfo

Daniel Kehlmann, wurde 1975 als Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann und der Schauspielerin Dagmar Mettler in München geboren. 1981 kam er mit seiner...
mehr über den Autor
Stimmen. Schatten. Stille

Ein Techniker, der auf seinem Handy von einem auf den anderen Tag ständig Nachrichten für einen anderen empfängt, um bald ganz in die neue Rolle zu schlüpfen. Ein Schriftsteller, der an sich selbst und an der Welt leidet, von Kulturinstitut zu Kulturinstitut tingelt, seine Paranoia und Phobien pflegt und sich seiner Freundin, einer Ärztin, erwehren muss, die Angst hat, zum Gegenstand einer seiner Geschichten zu werden. Eine alte Dame mit Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium, die mit einem Glas Natrium-Pentobarbital in einer Sterbewohnung in Zürich ihrem Leben ein Ende bereiten will – und dann ihren Schöpfer, den Autor, bittet, ihrem Schicksal, also seiner Geschichte, eine neue Wendung zu geben. Oder jener Schauspieler, der sich langsam, aber sicher unwirklich wird und irgendwann für eine Handvoll Euros auf der Bühne einer billigen Vorstadtdisco steht, als Double seiner selbst …

Menschen, denen ihr eigenes Leben fremd wird, Menschen, die aus ihrem Leben einfach verschwinden. Verhältnisse, die auf so komplizierte Art unübersichtlich werden, dass die sorgsam auf- und ausgebaute bürgerliche Existenz wie ein Kartenhaus zusammenbricht. Literarische Figuren, die mit ihrem Schöpfer über ihre Zukunft streiten. Am Ende läuft alles auf die eine entscheidende Frage hinaus: Was heißt schon wirklich?

Neun short cuts – ein Roman

Es sind solche Geschichten, die Daniel Kehlmann in seinem neuen Werk virtuos verknüpft. Seine große Kunst besteht darin, neun Episoden, die alle für sich stehen und gelesen werden könnten, so raffiniert ineinander zu schlingen und zu verschachteln, dass Ruhm sich wie ein einziger vielschichtiger, komplexer Roman liest.

«Kehlmann webt ein feines Netz untergründiger Bezüge. Was in der einen Geschichte offen bleibt, findet in einer anderen vielleicht eine Erklärung oder Fortsetzung; was in der einen zum Rätsel wird, enthüllt sich beiläufig in einer anderen.» (Der Spiegel)