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Mit mehr Vorschusslorbeeren kann man kaum ins Rennen gehen. Das gilt nicht nur für die neue True Grit-Filmfassung der Coen-Brüder (in den Hauptrollen: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin), der mit zehn Oscar-Nominierungen seinen Status als aktueller Blockbuster in den US-Kinos untermauerte. Auch Charles Portis’ Roman, seit seiner Erstveröffentlichung 1968 ein Klassiker der US-Literatur, wird gelobt und geliebt. Von Truman Capote («Eines der köstlichsten Bücher, die ich je gelesen habe»), aber auch von Roald Dahl, dem Großmeister des schwarzen Humors: «Welches Buch hat mir in den letzten Jahren größeres Vergnügen bereitet? Ich weiß es nicht … Was für ein Autor!»
Am 10. Februar eröffnet die Berlinale 2011 mit dem bildsatten modernen Western von Joe & Ethan Coen; zwei Wochen später kommt er bei uns in die Kinos. Aber schon jetzt können Sie True Grit lesen: ein spannendes, witziges, cooles Western-Vergnügen!
Mattie Ross ist vierzehn, als ihr Vater über den Haufen geschossen wird. Frank Ross war mit seinem Pferdeknecht Tom Chaney nach Fort Smith geritten, um ein paar texanische Mustang-Ponys für die Zucht zu kaufen. Nachdem Chaney, voll des billigen Whiskeys, beim Kartenspielen seinen Lohn verspielt hat, will er sich diesen umgehend zurückholen: mit dem Gewehr in der Hand. Seinen Mut, sich dem Desperado in den Weg zu stellen, bezahlt Matties Vater mit dem Leben. 150 Dollar, ein Pferd und zwei Goldstücke, das ist die Beute, mit der Chaney ins Indianerland flirht.
In Mattie schreit alles nach Vergeltung Wer auf derart hinterhältige Weise einen so sanften, ehrenwerten Mann umbringt, muss dafür bezahlen – für die Vierzehnjährige ist das so klar und unumstößlich wie ein Naturgesetz. Von der heimischen Farm in Yell County am Südufer des Arkansas River bricht sie nach Fort Smith auf, um ihren geliebten Vater für das Begräbnis nach Hause zu holen und sich auf die Spur des feigen Mörders zu setzen.
Die Geschichte ist schnell erzählt.. Mattie braucht jemanden, der ihr hilft, Chaney zu finden und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Auf die Staatsgewalt will sie nicht setzen, die Mühlen der Justiz mahlen im wilden Westen langsam. «Der Gottlose flieht, und niemand jagt ihn», sagt sich Mattie – dann doch besser die gute alte Selbstjustiz. Der Sheriff empfiehlt dem selbstbewussten Mädchen einen Marshall mit zweifelhaftem Leumund: «Am hartgesottensten ist Rooster Cogburn. Ein Mann ohne Mitleid, zäh und völlig angstfrei. Außerdem säuft er …» Cogburn ist ihr Mann: zäh, angstfrei, mitleidlos. Genau richtig für einen wie Tom Chaney.
Ihr Rachefeldzug führt Mattie direkt ins unwegsame Indianerterritorium, ins Land der Choctaws. Mit dem Texas Ranger La Boeuf hat Cogburn einen Mitstreiter gefunden; La Boeuf ist hinter Chaney her, um ihn für den Mord an Senator Bibbs aus Waco zur Rechenschaft zu ziehen – und sich nebenbei die großzügig bemessene Kopfprämie von 1500 Dollar zu sichern. Tot oder lebendig, das ist der Familie des Senators egal, Hauptsache, der Sheriff von McLennon County in Texas bekommt seinen Schuldigen.
«Ich will ihn tot sehen – gehenkt oder erschossen.» Mattie macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube (oder eben doch, um im Bild zu bleiben). Auch wenn Cogburn und der großmäulige Texas Ranger am liebsten ohne sie losgezogen wären, um den Flüchtigen dingfest zu machen: Mattie, vom Deputy Marshal stets «Schwesterchen» genannt, lässt sich auf ihrem Pony Little Blackie nicht abschütteln. Auch wenn sie dafür eiskalte Nächte im Freien, miserables Essen und Gewaltritte von fünfzig Meilen am Tag in Kauf nehmen muss. Bevor sie den Mörder ihres Vaters am Wickel hat, müssen sie und ihre Begleiter sich der Bande von Lucky Ned Pepper erwehren. Ein sehr munteres Shootout, weil Cogburn und La Boeuf beherzt mit dem Schießeisen umzugehen wissen und auch Matties Kugel ihr Ziel findet. Schlimmer als das Gesocks von Lucky Ned Pepper ist für Mattie der Sturz in eine Höhle, in der Dutzende giftiger Schlangen sich ringeln und kringeln.
Es gibt in Charles Portis’ Roman einige ausgesprochen lässige Passagen. Nach dem Schusswechseln mit den Banditen hat Marshal Cogburn eine ganz spezielle Bitte an einen Kollegen: «Boots, du musst mir bei etwas helfen. Ich habe da draußen Haze und noch so einen jungen Kerl erwischt und außerdem Emmett Quincy und Moon Garrett. Jetzt bin ich ziemlich in eile. Könntest du die Burschen wohl für mich beerdigen? (…) Ich werde dafür sorgen, dass ihre Namen in Fort Smith öffentlich bekannt gemacht werden; wenn jemand sie haben will, kann er kommen und sie ausbuddeln.» Im Klartext: Habe vier Typen umgelegt, hab aber leider keine Zeit, mich um deren Leichen zu kümmern – mach du das, Kumpel …
Matties Reaktion anlässlich eines absurden Wettschießens auf trockene Maisbrötchen, mit denen sich ihre beiden Pistoleros die Zeit vertreiben, ist auch ganz entzückend: «Eine Weile fand ich das ganz unterhaltsam, konnte jedoch keinen erzieherischen Wert darin entdecken. Und allmählich wurde ich ungeduldig. Ich sagte: ‚Wir müssen jetzt los. Ich hab genug davon. Mitten in der Prärie auf Maisbrötchen schießen bringt uns auch nicht weiter.»
Mattie ist tough, cool, abgebrüht. Und extrem effizient. Zum Beispiel ihre Verhandlung mit dem Baumwollmakler Stonehill: Wie sie es schafft, dem Auktionator mithilfe einer waghalsigen Argumentation 325 Dollar aus der Tasche zu ziehen, ist große Klasse. Für eine 14-Jährige verfügt die Kleine über ein bemerkenswert stabiles Weltbild, Sätze wie diese belegen das: «Wenn man Männer sich selbst überlässt, leben sie wie Tiere.»
Kurz – Mattie Ross ist eine Westerngöre zum Liebhaben!