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Es ist ein doppeltes Gipfeltreffen italienischer Krimistars: Andrea Camilleri und Carlo Lucarelli haben sich zu einem gemeinsamen Buchprojekt zusammengetan: ein spektakulärer Kriminalfall als Briefroman. Die Briefschreiber sind alles andere als Unbekannte: Camilleris weltberühmter Commissario Salvo Montabano aus Vigàta und Lucarellis so attraktive wie schlagfertige Polizeihauptinspektorin Grazia Negro aus Bologna.
Die erfolgreiche Krimiautorin Petra Oelker hat sich in Das süße Antlitz des Todes vertieft. Ihr Urteil: spannend – und ganz schön amüsant.
«Plastiktütenmorde sind nichts Neues, wird beim Ersticken mit zappeligen Goldfischen nachgeholfen, wird es spannend. Das Opfer war Sizilianer und starb in Bologna, das erfordert kriminalistische Kooperation zwischen Nord- und Süditalien. Weil nicht nur Elisabetta Gardini (genannt Betta), eine kurvenreiche Blondine mit Killer-Qualitäten, die Aufklärung des Falls sabotiert, machen sich Commissario Montalbano in Sizilien und Kollegin Grazia Negro in Bologna ziemlich heimlich auf die Mörderjagd und kommunizieren in Briefen, Notizen und Berichten. (Schilderungen lustvoller Grausamkeiten geraten da knapp, sehr angenehm für sensible Seelen.) Die konspirativen Zettel von Kommissariat zu Kommissariat erreichen oft nur versteckt in delikaten Nudel- oder Tortenkreationen arg klebrig ihr Ziel.
Ja, in den italienischen Provinzen wird wieder von Morden erzählt, diesmal mit viel Augenzwinkern. Und mit Fisch! Kein Wunder, wenn der Showdown im adriatischen Milano Marittima stattfindet. Andrea Camilleri und Carlo Lucarelli, die literarischen Väter des Nord–Süd–Kriminalistenduos, haben trotz einiger unschöner Morde in bewährter Manier einen weniger grausligen als skurrilen Briefroman komponiert, ideal für einen faulen Spätsommertag, nur – vielleicht – nicht gerade an der nördlichen Adria zu lesen.»
Zu ergänzen bliebe die Entstehungsgeschichte dieses Treffens zweier literarischer Hochkaräter (der Verleger Daniele di Gennaro erzählt sie im Nachwort des Romans). Frühjahr 2005, das Arbeitszimmer von Andrea Camilleri in Rom. Die Minimum Fax Media dreht einen Dokumentarfilm über die beiden Schriftsteller. «Die Szene wird beherrscht von einem regelrechten Orkan aus Wortwechseln, Anekdoten, Erinnerungen, Fachsimpeleien über den Autorenberuf, Lektüreeindrücken, Ansichten zum experimentellen Roman, der sich mehr und mehr des Krimi- und Hard-boiled-Genres bemächtigt. Die beiden schätzen sich, fast würde ich sagen, sie lieben sich. Zwischen ihnen liegt ein Altersunterschied von fünfunddreißig Jahren, doch ihre Herangehensweise ans schreiben ist die gleiche …»
Gute Verleger sind gute Verleger, weil sie öfter gute Ideen haben. Und so dauerte es nicht lange, bis Daniele di Gennaro die beiden Autoren mit einer so simplen wie tückischen Frage köderte: «Wie würden sich eure Hauptfiguren Salvo Montalbano und Grazia Negro eigentlich verhalten, wenn sie beide gemeinsam auf eine Leiche stießen? Wie würden sie bei einer Ermittlung zusammenarbeiten? Erzählt ihr mir das?»
Ja, das taten sie, ihm und uns. Es dauerte ein wenig, aber das Resultat ist dafür auch entzückend.