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Es war die Killerfrage, es ist die Killerfrage: Kind oder Karriere? Als erfolgreiche/unverheiratete/kinderlose Journalistin wurde Bettina Wündrich nicht nur einmal mit ihr konfrontiert. Doch es gab eine Situation, die ihr so zusetzte, dass sie beschloss, dieses Buch zu schreiben. Ihre Bilanz: «Ich habe verzichtet, aber nichts verpasst – das jedenfalls habe ich nach diesem Klassentreffen gelernt.» Ihr Buch Einsame Spitze? ist ein starkes Plädoyer für ein verändertes Selbstbild: Frauen wollen Karriere. Aber auf ihre Art. «Eine durchaus feministische Ermunterung zu Experiment, Ausdauer und Cleverness, um die Verhältnisse zu ändern.» (Süddeutsche Zeitung)
Es war beim Klassentreffen zum 30. Abi-Jubiläum. Bettina Wündrich hatte sich arglos auf den Weg gemacht, um zu sehen, was aus den anderen geworden war, die mit ihr am Mädchengymnasium das Abi gemacht hatten. Der Begrüßungs-Prosecco war kaum geleert, da wurden die Fotomäppchen rausgeholt, die iPhone-Bildersammlungen bestaunt und Lebensentwürfe kritisch begutachtet. Mein Mann! Mein Haus! Mein Baby! Meine Kinder! Plötzlich stand sie unter all diesen zeigefreudigen glücklichen Normalfrauen wie nackt da. Als sei sie die einzige Verliererin unter lauter Erfolgsfrauen. Dabei kann die studierte Diplomsoziologin und Journalistin auf eine erfolgreiche Karriere zurückschauen: als Chefredakteurin von Emotion und Glamour, als stellvertretende Chefin von Elle, später als Beraterin.
Zwanzig Jahre in Führungspositionen schienen auf einmal nichts zu zählen. Und das nur, weil sich Bettina Wündrich gegen das konventionelle Lebensmodell mit Mann, Kind und Kleinfamilie entschieden hatte. In der Statistik werden Frauen wie sie mit dem Etikett «einsame Spitze» bedacht. Die 51-Jährige zählt, wie sie im Spiegel-Interview sagt, zu der Generation, «die Feminismus auf sich selbst anwenden durfte. Und ich wollte das: Mich im Beruf ausprobieren. Mit Kindern hätte ich mein Leben so nie leben können.»
Ein Mann muss sich nie für seine Karriere verteidigen, eine Frau immer, ob offen oder unterschwellig. Das Klischeebild der so egoistischen wie einsamen Karrierefrau ist blitzschnell aktiviert, wie das Manager Magazin feststellt: «Frauen mit Karriereambitionen sind in Wirtschaft und Politik heiß umworben - aber auch nur dort. Die Gesellschaft beäugt sie mit Misstrauen, vor allem ihr ewiger Widerpart, die deutsche Übermutter, urteilt schnell und hart: Erfolgreich = einsam und kinderlos.» Es sei an der Zeit, schreibt Bettina Wündrich in ihrem Buch, dass Frauen endlich anfingen, für Teilhabe an der Macht nach ihren eigenen Maßstäben zu kämpfen.
«Jede Frau sollte Karriere machen können. Die Frage ist nur, ob das Karrieremodell, welches die Arbeitswelt Frauen und Männern anbietet, eines ist, das wir wollen. Dieses Modell verlangt männliche Härte und Ellenbogen. Und integriert nicht die Familie. Wenn man die wenigen Frauen, die den Aufstieg geschafft haben, über ihre Karriereeigenschaften reden hört, kommen schnell Zweifel, ob man mit ihnen tauschen möchte: «Außerordentlich hohe Leistungsbereitschaft» bräuchten Frauen, um nach oben zu gelangen, «Durchhaltevermögen», und «Abstriche» im Privatleben müssten sie selbstverständlich auch in Kauf nehmen. Das klingt so sexy wie eine Trainingseinheit im Boot Camp. Vielleicht ist es ja so: Frauen wollen Karriere machen. Aber auf ihre Art.»
Bettina Wündrich verschwendet keinen Satz aufs Jammern und Lamentieren. Dafür ist ihr das Anliegen zu wichtig. Die perfekte Hausfrau, die perfekte Mutter, die perfekte Karrierefrau: alles Klischees, nichts davon gibt es, die Wirklichkeit ist immer komplexer und komplizierter. Eines ist sicher: Die noch immer auf testosterongesteuerte männliche Single zugeschnittene Arbeitswelt muss sich grundlegend ändern; der Zeitpunkt, kluge und radikale Forderungen zu stellen, könnte nicht besser sein: Denn starke Frauen werden händeringend gesucht.
Kinder seien nun einmal die Weichenstellung im Leben einer Frau, sagt Wündrich im myself-Interview. «In der Arbeitswelt, wie ich sie mir vorstelle, setzen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmerin zusammen, wenn diese schwanger ist, und handeln ein Modell aus, bei dem kaum pausiert werden muss. Ein Home Office, von der Firma gestellt, sollte selbstverständlich sein. Wenn die Familie in den Job integriert werden kann, ist es auch in Ordnung, den Beruf in die Familie zu integrieren Vaterurlaub müssten verpflichtend sein. Frauen sollen ruhig Männer in die Verantwortung nehmen.»
Bettina Wündrichs Einsame Spitze? endet mit einem knappen Nachwort, darin heißt es: «Beate, die Vollzeitmutter, meine Klassenkameradin vom anderen Ende des Spektrums der Lebensentwürfe, mailt mir «Gedankengänge aus einer anderen Welt»: ‹Bettina, wie wäre es denn, wenn wir ein Buch gemeinsam schrieben? Einfach die Fragen des Lebens und des Berufsalltags aus Sicht der ‹Karrierefrau› und der ‹Familienmanagerin›. Wir werden wahrscheinlich staunen, wie viele Gemeinsamkeiten wir finden!› Und wenn wir uns dann einig sind, führen wir den Dialog mit den Männern. Damit es in zehn Jahren heißt: Vorn ist, wo die Frauen sind.»