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Bernard Cornwell: Der Bogenschütze

© Photo Scala, Florence

England zu Beginn des Hundertjährigen Krieges: Der französische Krieger Guillaume d’Evecque überfällt in der Osternacht 1342 mit seinen Männern den kleinen Küstenort Hookton. An Bord ihres Schiffes: ein mysteriöser Begleiter. Ein Mann, der nichts von sich preisgibt und sich selbst «Harlekin» nennt, Anführer der Teufelsschar. Während die Soldaten von der Aussicht auf Frauen und Plündergut befeuert sind, verfolgt d’Evecque ein wichtigeres Ziel … Mit dem Auftakt der neuen Mittelalter-Trilogie über einen dramatischen Kampf auf Leben und Tod in der Zeit des Hundertjährigen Krieges ist Bernard Cornwell erneut ein Meisterstück gelungen. Suriama Velasco hat den Roman für Bookmarks gelesen.

Mörderischer Angriff auf ein englisches Dorf

Vater Ralph, der Pfarrer von Hookton, hat vor vielen Jahren eine legendenumwobene Reliquie aus Frankreich mitgebracht: Die Lanze des heiligen George, des Schutzpatrons Englands, mit der dieser den Drachen besiegt haben soll. Die Aufgabe des «Harlekins» ist es, diese Lanze in seinen Besitz zu bringen. Dass dabei das ganze Dorf von seiner Söldnertruppe ausgelöscht wird, lässt ihn kalt. Nur einer entkommt dem Massaker: Thomas von Hookton, der 18-jährige Sohn des Pfarrers. Er ist Student der Theologie, aber auch – zum Glück (und gegen Willen seines Vaters) – ein unglaublich guter Bogenschütze, ein wahrer Teufelskerl mit Pfeil und Bogen. Ihm gelingt es nach bravourösem Kampf, die feindlichen Kriegerin die Flucht zu schlagen.

«In dem Augenblick, als der erste Pfeil gen Himmel schoss, wusste er, mehr wollte er nicht vom Leben. Er war ein Bogenschütze. Oxford konnte ihm gestohlen bleiben, denn er hatte sein Glück gefunden. Thomas stieß einen Freudenschrei aus, als er den Hügel hinaufrannte. [...] Thomas führte die Genueser Armbrustschützen in einem Todestanz – vom Hügel zu den Hecken, über Wege, die er seit seiner Kindheit kannte –, und dumm, wie sie waren, folgten sie ihm, denn ihr Stolz gestattete es ihnen nicht, sich einzugestehen, dass sie ihm unterlegen waren. Doch sie waren unterlegen und zwei starben, bevor das Horn vom Strand erschallte und die Plünderer zu den Schiffen rief.»

Von seinem schwerverletzten Vater hat Thomas erfahren, dass einer der Angreifer sein eigener Neffe ist und dieser die Lanze des heiligen George geraubt hat. Bevor der Pfarrer von Hookton stirbt, nimmt er seinem Sohn das Versprechen ab, die kostbare Reliquie nach England zurückzuholen. So beginnt Thomas' Suche nach dem schwarzen Krieger; den Mord an seinem Vater zu rächen, wird seine Lebensaufgabe. Thomas zieht als Bogenschütze in den Krieg gegen Frankreich und schließt sich dabei der Armee des Earl of Northampton und deren Anführer Will Skeat an. Nach und nach erwirbt er das Vertrauen seiner Anführer, macht sich aber auch Feinde in der englischen Armee. Vor allem der verarmte Adelige Sir Simon Jekyll wird sein erbitterter Gegner, der ihm nach dem Leben trachtet.

Autoreninfo

Bernard Cornwell, geboren 1944, machte nach dem Studium Karriere bei der BBC. Nach Übersiedlung in die USA entschloss er sich, einem langgehegten...
mehr über den Autor
Der Rachefeldzug geht weiter

Seinen Auftrag, seine Rachepläne vergisst Thomas nicht einen Augenblick. In Frankreich findet er heraus, dass der «Harlekin» und seine Familie wohl im Besitz des Heiligen Grals sind, einem der machtvollsten und kostbarsten Kultobjekte der Kirche; einer alten Legende zufolge verleiht der Heilieg Gral Macht über alle Menschen auf der Erde . Da beide den gleichen Feind haben, den «Harlekin», kommt es zur unerwarteten Verbrüderung mit Guillaume d’Eveque, der damals an der Spitze jener Söldnerhorde ritt, die sein Dorf dem Erdboden gleichmachte.

In der Schlacht von Crécy, einem, der großen Gemetzel des Hundertjährigen Krieges. stehen schließlich König Edward III. und Prinz Edward (der Schwarze Prinz) mit ihren zahlenmäßig weit unterlegenen Truppen der riesigen Armee Philips VI. gegenüber. Und plötzlich geschieht, wovon Thomasjahrelang in seinen düsteren Albträume phantasierte: Wie aus dem Nichts steht auf einmal der «Harlekin» vor ihm …

Es ist die große Kunst des Bernard Cornwell, eine dramatische Episode aus der Geschichte des Hundertjährigen Krieges spannend zu erzählen, ohne etwas von dem grausamen Geschehen zu verharmlosen oder zu banalisieren. Der Krieg wird in all seinen mörderischen Facetten beschrieben: Plünderung, Mord, Vergewaltigung, Brandschatzung. Der Bogenschütze ist ein fesselnder Roman, dessen historische Authentizität nur an wenigen Stellen durchbrochen ist (vgl. Cornwells Nachwort). Auf den zweiten Band der Reihe um den Heiligen Gral können sich Cornwell-Fans jetzt schon freuen; Der Wanderer erscheint im Mai 2012.