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Anselm Grün/Jan-Uwe Rogge: Kinder fragen nach Gott

© Stephanie Schweigert

Brauchen Kinder Gott? Eine große Frage, eine schwer zu beantwortende Frage. Und so stellen die Autoren sie auch gar nicht, auch wenn ihr unausgesprochenes «Ja» durchaus das Buch prägt. Spiritualität aber brauchen Kinder auf jeden Fall, meinen der Benediktinerpater Anselm Grün und der Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge. Spiritualität, das ist «geerdetes Leben, das mit etwas höherem Geistigem, rational nicht Fassbarem in Beziehung steht». Spiritualität hat danach weder mit moderner Esoterik zu tun, noch «geht sie in kirchlichen Institutionen auf.»

Spiritualität, wie sie hier von Anselm Grün und Jan-Uwe Rogge thematisiert wird, ist im Hier und Jetzt verwurzelt und geht doch weit darüber hinaus: als Fenster in die Zukunft, als Kompass bei der Suche nach Sinn und Ziel des eigenen Lebens. Es sind acht spirituelle Botschaften, die für die Erziehung von Kindern und die Gestaltung des Familienalltags wichtig werden können:
• die Verbundenheit der Generationen
• die Menschenfreundlichkeit des Humors
• Kindern das Schwimmen lehren
• Dankbarkeit, Glück und Demut
• die Liebe zum Unvollkommenen
• die Freundlichkeit des Fehlers
• Bedingungslosigkeit
• Staunen und wachsen

«Mama, wo wohnt Gott?»

Kinder haben von sich aus einen spirituellen Kern, sie besitzen ein selbstverständliches Gefühl für ihre Einzigartigkeit. Aber auch Erwachsene brauchen diese Art geistiger Existenz. Wenn man Spiritualität akzeptiert und aus ihr zu schöpfen versteht, macht sie Eltern wie Kindern vieles leichter: das Leben, das Miteinander, das Erziehen und das Erzogenwerden.

Nimm dich und deine Kinder, wie sie sind, nicht wie du sie haben willst! Lass dich berühren! Sei dankbar! Werde gelassen! Trau deinen Kräften! All dies sind Maximen, die sich aus einem spirituellen Weltbild ergeben.

«Und wie komme ich damit weiter, wenn sich mein dreijähriger Sohn an der Supermarktkasse schreiend auf dem Boden wälzt, weil er kein Überraschungsei bekommt", fragen an dieser Stelle genervte Mütter zu Recht. Aber die Autoren sind Praktiker genug, um zu wissen, dass man mit einer positiven Einstellung allein den normalen Erziehungsalltag nicht bewältigt. Deshalb verlieren sie sich nicht in sphärischen Gefilden, sondern kümmern sich gründlich um ganz praktische Fragen:

Autoreninfo

Anselm Grün leitet als Mönch und Cellerar die wirtschaftlichen Geschicke der Benediktinerabtei Münsterschwarzach bei Würzburg. Er wirkt als...
mehr über den Autor
Jan-Uwe Rogge ist Familien- und Kommunikationsberater und Buchautor. Er hält Vorträge und führt Seminare im In- und Ausland durch. Seine Bücher sind...
mehr über den Autor
Geerdet leben, spirituell erziehen

Wie helfen Spiele, Rituale und Geschichten, starke Gefühle und existenzielle Krisen auszuhalten? Warum flunkern und stehlen Kinder? Was bewirkt der Glaube an einen Schutzengel? Wie soll man reagieren, wenn Kinder die Grenzen des guten Geschmacks, der Mitmenschlichkeit oder der Zehn Gebote überschreiten? Zu all diesen Fragen gibt es anschauliche Fallbeispiele, handfeste Analysen und bodenständige Empfehlungen.

Doch was hat das wiederum mit Spiritualität zu tun? Spiritualität, sagen Grün und Rogge, gibt keine Handlungsanweisungen. Aber sie kann zur Kraftquelle für Eltern werden im ganz alltäglichen Tohuwabohu. Denn sie hilft, eine bestimmte Haltung zu entwickeln: Den Glauben an das Einzigartige im Kind. Die Hoffnung auf seine Entfaltung. Die Liebe, es gut zu behandeln.

Auch wenn man als Leserin oder Leser nicht alle spirituellen und theologischen Implikationen der Autoren teilen mag – um nicht zu sagen: nichts damit am Hut hat –, kann dieses Buch zum sinnvollen Ratgeber werden. Es lenkt den Blick auf das Wesentliche: Sei - einfach!

(Aus: Rowohlt Revue 92)