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Gut elf Kilometer lang, knapp fünf Kilometer breit, das ist Whalsay, ein kleines Archipel auf den Shetland-Inseln, Schauplatz des neuen Kriminalromans von Ann Cleeves. Nachdem Jahrzehnte lang auf der Insel niemand mehr durch einen Unfall ums Leben gekommen ist, sterben nun innerhalb weniger Tage zwei Menschen auf irritierende Weise. Erst wird die alte Mima Wilson auf ihrem Grundstück von einer verirrten Kugel getroffen, dann begeht die junge Hattie James Selbstmord – genau dort, wo sie bei einer Grabung neben alten Silbermünzen auch Knochen unbekannter Herkunft gefunden hat: auf Mimas Grundstück.
Aber was, wenn die tödlichen Schüsse aus einer Schrotflinte kein Jagdunfall waren, sondern gezielt abgefeuert wurden? Und was, wenn Hattie sich die Pulsadern nicht selbst aufgeschnitten hat? Die junge Archäologin war überzeugt, bei der Ausgrabung auf Setter, Mimas Hof, kurz vor einem Durchbruch zu stehen. Alles sprach dafür, dass dort zu Zeiten der Hanse, ein mittelalterliches Kaufmannshaus gestanden hatte, Zeichen frühen Wohlstands auf der kleinen Insel.
Inspector Jimmy Perez ist Whalsay unheimlich, wo jeder jeden kennt und doch keiner dem anderen zu trauen scheint.. Irgendetwas ist hier anders als auf den übrigen Shetland-Inseln. Außerdem ist er mit seinen Gedanken oft anderswo, bei seiner Freundin Fran; ihn quält die Frage, wann, wo und wie er ihr einen Heiratsantrag machen soll. Und so kommt er mehr schlecht als recht voran mit den Nachforschungen. Viele Fäden, die ins Nichts verlaufen, dafür so gut wie keine handfesten Spuren. Welche Rolle spielt Archäologieprofessor Paul Berglund? Es war sein blutverschmiertes Messer, das neben der Toten gefunden wurde. Und weshalb hätte sich seine junge Doktorandin das Leben nehmen sollen, gerade jetzt, wo sie einen spektakulären Fund in Händen hielt?
Perez’ ortskundiger Assistent Sandy Wilson mag nicht über das hellste Köpfchen verfolgen, schlägt sich aber wacker. Vor allem angesichts der Tatsache, dass seine Familie ebenso wie die Cloustons am Ende im Zentrum der polizeilichen Nachforschungen stehen werden. Weil sie (und nicht nur sie) auf die eine oder andere Weise mit dem legendenumwobenen «Shetland Bus» zu tun hatten, einem Partisanen-Netzwerk im Zweiten Weltkrieg, als Norwegen von den Deutschen besetzt war. Damals wurden mit kleinen Booten, die auf Whalsay gebaut worden waren, Flüchtlinge aus Norwegen heraus- bzw. Agenten ins Land hineingebracht. Ein Mann hat offenbar damals seinen Mut – oder seinen Leichtsinn – mit dem Leben bezahlen müssen …
Was zunächst wie ein Zusammentreffen unglücklicher, tragischer Zufälle aussieht, verdichtet sich für Inspektor Jimmy Perez im Laufe der Ermittlungen zu einer beängstigenden Vermutung. Insbesondere, als er von Hatties letztem Telefonat mit ihrer Mutter erfährt …
Ann Cleeves’ klare, unprätentiöse Art, Land und Leute zu beschreiben, ohne sie zur folkloristischen Kulisse zu degradieren, gibt ihrer Shetland-Krimiserie ihren besoneren Reiz. Der raue, karge Charme der Landschaft, die abrupten Wechsel von Wind und Wetter, von strahlender Sonne zu heftigem Unwetter, das einfache, einsame Leben – all das wird in Cleeves’ spannendem Shetland-Zyklus lebendig – Bücher, so eine Rezension, «wie ein wunderschöner, kostengünstiger Urlaub auf Shetland, mit nie endenden Tagen und allem was dazu gehört».