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Amanda Kyle Williams: Cut

© Hafen Werbeagentur; cg-textures

Keye Street – was für eine Heldin! Asiatischer Großvater, Waisenhaus, amerikanische Adoptiveltern. Abschluss in Kriminologie, Promotion an der Georgia State University in Verhaltenspsychologie, nach dem Rauswurf beim FBI Privatdetektivin und Kautionseintreiberin. Trockene Alkoholikerin. Süchtig nach Süßem – für ein Stück selbstgebackenen Apfelkuchen mit Zimteis würde sie sofort auf Sex verzichten. Geschieden, ein paar gute Freunde, eine Katze: White Trash. So viel zu Keye Street, der Heldin von Amanda Kyle Williams' Thriller Cut. «Grauenvoll, hochintelligent und unterhaltsam!» (Karin Slaughter)

Auch wenn Keye «eine chinesisch-amerikanische Göre mit zweifelhaften Genen» ist, ist sie doch ein richtiges Südstaatenkind (wie die in Atlanta, Georgia, lebende Autorin auch). «Der Süden hat ein großes Herz … Er geht einem ins Blut und sitzt einem in den Knochen. Nicht ich bin ein Teil des Südens, der Süden ist ein Teil von mir. Von einem Landstrich geprägt zu sein ist eine romantische Vorstellung. Aber hier unten sind wir alle ziemlich romantisch. Hier ist jeder Rhett Butler und Scarlett O'Hara und Rosa Parks in einem.»

Die Wunschknochen-Morde

Weg vom Alkohol, klasse Wohnung, genug Kohle dank ihrer diversen Jobs: Eigentlich hat Keye gerade eine richtig gute Phase. Wäre da nicht die barbarische Mordserie, die ihrem besten Freund, Lieutenant Aaron Rauser vom Morddezernat in Atlanta, den Schlaf rauben. Eine schlimmere Verhöhnung als die Briefe mit Massakerdetails, die ihm der Täter zukommen lässt, kann sich Rauser als leitender Ermittler nicht vorstellen.

«Liebster Lieutenant, wollen Sie wissen, wie ich es getan habe? Ich habe so lebendige Erinnerungen daran, wie ich vor ihrem Haus stand und den Dunst aus der Küche roch. Als sie die Tür öffnete, lächelte sie. Das Letzte, was sie hörte, abgesehen von ihrem Wimmern, war das Klicken meiner Kamera und das leise Knacken ihres Genicks, als würde ein Wunschknochen entzweibrechen.»
Weil einzelne Briefe auch in die Medien gelangen, ist bald nur noch von den «Wunschknochen-Morden» die Rede: Anne Chambers, 22, Tallahassee. Bob Shelby, 64, Jacksonville. Eliciam Richardson, 25, Alpharetta. Lei Koto, 33, Atlanta. Sie waren die ersten Toten, aber nicht die letzten.

Autoreninfo

Amanda Kyle Williams hat für die Keye Street Serie Kurse bei Brent Turvey, einem bekannten Kriminologen und Profiler genommen, als Privatdetektivin...
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Variationen des Grauens

Zu keinem seiner Opfer musste sich der Mörder gewaltsam Zutritt verschaffen, alle öffneten ihrem Mörder selbst die Tür. Aber warum? Die Tatorte geben nichts her, kein Fingerabdruck, keine verwertbaren Spuren, nur Blut, Blut, Blut. Die Handschrift ist immer die gleiche. Gesicht nach unten, Fesselspuren, Schnitt-, Stich- und Bisswunden am ganzen Körper. Aber niemand wurde mit solcher Brutalität gequält wie das erste Opfer – Anne Chambers, eine Kunststudentin der Florida State University: Sie wurde sexuelle verstümmelt und wies über hundert Stichwunden auf, eine einzige grausige Raserei.

Der Mörder wird immer dreister. Bevor sein Messer sich das nächste Opfer sucht, lässt er Lieutenant Rauser einen Hinweis zukommen: «Soll ich Ihnen einen Hinweis geben, etwas Hoffnung machen? David, schwarze Haare, teure Anzüge, auf dem Weg nach ganz oben. Drei Tage, Lieutenant. Die Uhr tickt.» Die Polizei sucht fieberhaft nach einer Person, auf die die Drohung passen könnte. Nichts. Nach drei Tagen wird David Brooks' Leiche in einem blutverschmierten Hotelzimmer entdeckt

Die Grammatik des Todes

Das Motiv für die Serienmorde bleibt im Dunkeln. Bis Keye Street, von Rauser wie üblich als seine Haus-und-Hof-Profilerin eingespannt, im Jahrbuch der Hochschule für Kriminologie und Strafrecht nachschlägt. Und auf ein Foto und einen Namen stößt, der ihr das Blut in den Adern gefrieren lässt – jener Hochschule, deren Institute auf dem Campus der Florida State University direkt an Anne Chambers' Kunstakademie stoßen. Nur in einem Punkt irrt sich Keye: Es gab einen Mord vor dem an Anne, begangen von einem sechzehnjährigen Teenager, der seinem Hass mit einem Fischmesser freien Lauf ließ …

Cut sollte nicht unbedingt lesen, wer ein Stimmungstief oder eine Angstphase durchlebt. Dann kann es sein, dass die Phantasie mit einem durchgeht und der Schrecken nach uns greift. Auch ausgebuffte Thrillerleser werden von Amanda Kyle Williams ausgetrickst und vom Plot von Cut verblüfft sein. Es lohnt, noch einmal, an jene Stelle zurückzublättern, an der uns die Autorin gezielt in die Irre führt. Super abgezockt, Kompliment!