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Wenn einer prädestiniert ist, uns mit den Usançen des Königtums, mit den Mythen, Macken und Marotten der Royals vertraut zu machen, dann er: Alexander Graf von Schönburg-Glauchau, bekannt unter dem mehr oder minder bürgerlichen Namen Alexander von Schönburg. Wer sonst kann schon von sich behaupten, bei einer Familienfeier in Schloss Windsor zur Linken der Queen gesessen zu haben? Als Ehemann von Prinzessin Irina von Hessen, der Großnichte der englischen Königin, verfügt von Schönburg über mehr als nur eine gewisse Nähe zu den Hochwohlgeborenen dieser Welt. Als Journalist allerdings hätte er sich dort niemals bei einem Galadiner Zutritt verschaffen können, «eher erhält ein Lude aus St. Pauli eine Einladung zum Tee beim Papst».
Alexander von Schönburg führt uns ungemein elegant und pointiert in die höheren Kreise ein, mit einem selbstironisch-spöttischen Unterton, der auch vor sich und den Seinen nicht haltmacht. Er schreibt, wie Ijoma Mangold in der SZ hervorhebt, aus einer wahrhaft exklusiven Position heraus – als Insider, als Royalist und als Journalist: «Aber er wählt nie den feigen Ausweg einer uneinholbaren Ironie, um einem möglichen Rollenkonflikt durch Augenzwinkern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er verfügt über einen ausgezeichneten ethnologischen Blick, aber er verhehlt nicht, dass er dazugehört.»
Und wie der Chef des ehemals regierenden Hauses Schönburg-Glauchau dazugehört! Auf welchem Platz der Thronfolge der Windsors er stehe, wurde er in der WELT gefragt. «Ich steh’ da überhaupt nicht, höchstens meine Kinder, denn meine Frau ist die Großnichte der Queen. Aber da müssten schon knapp 800 Leute sterben, bis sie auf den Thron käme.» (Aber was sind, historisch betrachtet, schon 800 Leute?) Virtuos bedient von Schönburg («Ich bin ein Snob – natürlich») das niedere wie gehobene Interesse an einer Institution, von der aufgeklärte Zeitgenossen sagen, deren letztes Stündlein hätte spätestens 1792 schlagen müssen, als die regierenden Häupter von Ludwig XVI. und Marie-Antoinette in die Körbe unter der Revolutionsguillotine fielen. Aber die Blaublütigen gehören offenbar zu unserem Planeten wie die Borke zum Baum.
Vom britischen Dokumentarfilmer Sir Richard Attenborough stammt das kluge Diktum, die Institution der Monarchie basiere auf nichts anderem als «der Mystik des Häuptlings in seinem Häuptlingszelt. Sobald ein Mitglied des Stammes das Innere dieses Zeltes zu sehen bekommt, ist das System des Häuptlingswesens hinfällig – und der Stamm wird daran zugrunde gehen.» Bei allem Respekt für die hehre Idee des Royalen lässt von Schönburg uns mehr als nur einen vorwitzigen Blick in diverse Häuptlingszelte, pardon: Schlösser und Paläste werfen.
Dieses Buch enthält, zumindest was köstliche Anekdoten und bizarre Episoden über die Könige und Königskinder dieser Welt angeht, bestimmt so viel Bizarres rund um wie diverse Jahrgänge Bunte und Gala. Natürlich sind wir, nur ein Beispiel unter vielen, dabei, wenn Prinz Charles aus Publicity-Gründen einen Supermarkt besucht und, begleitet von zig Kameras, den Einkaufswagen voller Bioprodukte Richtung Ausgang schiebt. Bis er plötzlich merkt, dass zu einem normalen Einkauf noch irgendetwas fehlt, was war es noch mal gleich? Ach ja, Geld! Bezahlen! Genau daran hatte der royale Einkaufstross nicht gedacht: ein PR-Stunt wird zum peinlichen Desaster.
Was wir Staubgeborenen hier alles lernen können! Sind Könige auch beim Sex höflich? Warum besitzen sie keine Kreditkarten? Wie angelt man sich einen Kronprinzen (Silvia Sommerlath! Kate Middleton! Mette-Marit!)? Weshalb ist der Anteil schwuler Diener am englischen Hofe überproportional hoch? Und was schenkt man eigentlich gekrönten Häuptern? Einfache Frage, klare Anwort: Entweder etwas unfassbar Exklusives oder etwas unfassbar Banales. Das englische Königshaus etwa ist verrückt nach Scherzartikeln. Prinz Harry, die aktuelle Nr. 3 der englischen Thronfolge, schenkte seiner Großmutter, der Queen (die übrigens nur ihr Gemahl hin und wieder «sausage», Würstchen, nennen darf!), zu Weihnachten eine Duschhaube mit der Aufschrift «Life’s a bitch» – so etwas liebt man in Windsor. Wie heißt es so schön? Adel verpflichtet. Nur – zu was eigentlich?