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Alexa Hennig von Lange: Risiko

© picture alliance/FLORA PRESS

Eigentlich müsste sie sehr glücklich sein, die junge Stewardess Lilly. Sie hat einen guten Job, bewohnt ein schönes Haus, einen Garten mit sauber beschnittenen Magnolienbäumen. Sie hat zwei nette Kinder, Greta und Matti, und mit dem Bildhauer Erik einen Mann, auf den Verlass ist, auch wenn sich bei diesem eine Marotte zur zwangsneurotischen Macke radikalisiert hat: Durch eine im Nahen Osten zugezogene Schussverletzung innerlich verunsichert und traumatisiert, drillt Erik seine Kinder im heimischen Garten und den angrenzenden Wäldern im Überlebenstraining. Trautes Heim, Glück allein …

«Klare Struktur. Familiärer Zusammenhalt. Keine Verliebtheit. Kein Risiko» – das ist Lillys Mantra. Und trotzdem gefährdet sie ihre Ehe, als sie sich eines Morgens ihrer Jugendliebe, dem Anwalt Helge hingibt, der samt seiner Frau Irene ausgerechnet ins Nachbarhaus gezogen war. Es ist eine verhängnisvolle Affäre, ein Seitensprung mit dramatischen Konsequenzen – und der Auftakt eines maßlosen Rachefeldzugs … «Ein Moment der Hingabe führt zur Katastrophe. Virtuos!» (Deutschlandradio) «Wunderbar! Geradezu meisterhaft.» (Süddeutsche Zeitung)

Versteckspielen im blühenden Neurosengarten

Es sind messerscharfe Szenen, Dialoge von schmerzender Präzision, in denen Henning von Lange den langsamen Weg der beiden Paare in die Katastrophe vorzeichnet. Etwa als sich Irene die Nebenbuhlerin Lilly bei eine Gartenparty aufs Grausamste zurechtlegt: «‹Ich meine, jeder braucht ein wenig Aufregung im Leben›, erklärte Irene, ‹die einen übernachten im Wald, die anderen dokumentieren den Krieg und wieder andere gehen fremd und eröffnen den Krieg.› Irene zerschnitt ihr Würstchen in so kleine Stücke, dass das Messer über den Teller quietschte. ‹Magst du keinen Nudelsalat?›, fragte sie Lilly. ‹Doch, doch, natürlich.› ‹Dann nimm dir welchen.› Lilly hatte keinen Hunger. Wenn das Gespräch so weiterging, würde sie sich übergeben müssen. ‹Es gibt aber Ausnahmen, liebe Irene›, sagte Erik. ‹Sieh dir meine Frau an. Sie würde unser Familienleben nie gefährden.› Lilly spürte das Blut in den Ohren rauschen. Gleich war alles vorbei.»

Noch längst ist nicht alles vorbei. Denn Irene hat sich in ein Rache- und Lustszenario der besonderen Art hineingesteigert. Sie würde Lillys Familie zerstören – es sei denn, die schöne Nachbarin begänne eine Liebesbeziehung mit ihr. An einem gemeinsamen Grillabend droht die Situation zu eskalieren – der Krieg ist eröffnet, die letzte Schlacht naht. Lillys Versuche, ihre kleine heile Welt zu retten, werden immer grotesker: Angst schlägt in Panik, Pank in Hysterie um. Bis Irene komplett durchdreht und sich die Kinder von Helge und Lilly schnappt …

Das Popliteratinnen-Image der Relax-Jahre liegt längst hinter Alexa Hennig von Lange., was der Tiefe und Schärfe ihrer Romankunst erkennbar gut tut. Thematisch kreisen alle ihre Bücher um die Sehnsucht nach stabilen Beziehungen, um die Zerbrechlichkeit von Liebe und familiärer Geborgenheit. «Hennig von Lange hat den Albtraum einer verhängnisvollen Affäre mit einer zutiefst wertkonservativen Familiengeschichte verknüpft … Dabei hat sie nicht nur die Schichten des Zusammenhalts freigelegt, sondern auch seine Gegenspieler: die alltäglichen Mechanismen es Zerfalls.» (FAZ)