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Die schweigende Mutter. Der tote Vater. Sonne, Licht, Himmel, Steine und Wasser – das sind die Sehnsuchtsbilder, die Albert Camus sein ganzes Leben in sich trug. Keiner seiner literarischen und philosophischen Texte besäße seine Form ohne diese Fixpunkte seines Denkens, seiner Existenz. Er, der auf vielen Bildern so «cool» und in sich ruhend wirkte, war in Wirklichkeit ein Mensch voller Selbstzweifel. Und noch immer ist der Nobelpreisträger von 1957 eine Entdeckungsreise wert: «Camus ist unersetzlich.» (Eugène Ionesco)
Was Sie vielleicht schon immer einmal von Albert Camus lesen wollten, aber aus irgendwelchen Gründen stets auf später verschoben haben, das können Sie mit dieser kleinen Edition großer Werke des französischen Schriftstellers und Philosophen jetzt nachholen. Viermal Weltliteratur zum Taschengeldpreis in edlen Ausgaben: klassisches Existenzialisten-Rot/Schwarz, gebunden, handliches Format.
Die Kleine Camus-Edition umfasst folgende Titel: das Drama Die Pest, die Romane Der Fremde und Der Fall und den autobiografischen Text Der erste Mensch, in dem Camus, gespiegelt in der Figur des Jacques Comery, von seiner Kindheit im Armenviertel von Algier und von der Suche nach einer Vaterfigur erzählt. Es handelt sich um die fast unbearbeitete Fassung des Manuskripts, das der französische Literaturnobelpreisträger von 1957 an jenem 4. Januar 196o in seiner Mappe bei sich trug, als ein Autounfall seinem Leben im Alter von 47 Jahren ein Ende setzte.
«Den Zyklus des Absurdenund der Revolte hat Camus ausschreiten und vollenden können», schreibt seine Biografin Brigitte Sändig. «Für den Zyklus der Liebe war ihm dies nicht vergönnt.» Diesen Zyklus wollte er mit dem autobiografischen Text Der erste Mensch eröffnen. Es dauerte bis 1994, vierunddreißig Jahre nach seinem Tod, bis Camus’ Opus magnum von seiner Tochter Catherine herausgegeben wurde. Das nach 145 Seiten abbrechende Manuskript trug ihr Vater in einer Aktentasche bei sich, als er am 4. Januar 1960 auf dem Rückweg von seinem Haus Lourmarin in der Vaucluse nach Paris im Auto seines Freundes Michel Gallimard tödlich verunglückte.
Seinem Vater waren nur ganze neunundzwanzig Lebensjahre vergönnt. Lucien Auguste Camus, als Nachfahre besitzloser französischer Siedler in Algerien bei einer Weinfirma beschäftigt, wurde einberufen, als sein Sohn Albert neun Monate alt war. In der ersten Marne-Schlacht schwer verletzt, starb er am 11. Oktober 1914 in einem Hospital in der Bretagne. «Er hatte Frankreich nie gesehen. Er sah es und wurde getötet.»
Camus, ein «pied-noir» aus armen Verhältnissen, studierte in Algier Philosophie. Der französischen Kolonialverwaltung war er ein Dorn im Auge, weil er 1938 als Gerichtsreporter der Zeitung «Alger républicain» die Folterung algerischer Angeklagten und Zeugen anprangerte. Nach einer Zwischenstation bei «Paris-Soir» begann er im November 1943, ein Jahr nach der Veröffentlichung des Fremden und des Sisyphos, als Lektor bei Gallimard.
Als Chefredakteur der Untergrundzeitung «Combat» und intellektueller «résistant» schwebte Camus ständig in Lebensgefahr, wie die Deportation und Ermordung zahlreicher Freunde und Mitarbeiter (wie René Leynaud) zeigte.
«Ich glaube weiterhin,dass unserer Welt kein tieferer Sinn innewohnt. Aber ich weiß, dass etwas in ihr Sinn hat, und das ist der Mensch, denn er ist das einzige Wesen, das Sinn fordert.» Diese Haltung unterschied Camus in der Auseinandersetzung um die sowjetischen Gulags von Sartre und vielen anderen Linksintellektuellen. In der in «Temps Modernes» mit Erbitterung geführten Debatte um Camus’ Text Der Mensch in der Revolte (1952) erklärten seine Antagonisten Sartre und Francis Jeanson die öffentliche Verurteilung von Stalins KZs für politisch inopportun. Kommunismus-krititsche Positionen wie die Camus' wurden als Defätismus, als «Rot-Kreuz-Moral» denunziert. Wolf Lepenies: «Camus hatte zu früh recht gehabt.»
Seit der Veröffentlichung des Romans Die Pest 1947 galt Camus als Kandidat für den Literaturnobelpreis. Als er ihn schließlich zehn Jahre später vom Stockholmer Komitee zugesprochen bekam, befand er sich in der schwersten Krise seines Lebens: private und gesundheitliche Probleme, Zweifel an seiner kreativen Kraft, Ausgrenzung aus der offiziellen Linken, der Beginn des bewaffneten Befreiungskampfes in Algerien – für ihn eine persönliche Katastrophe: der Verlust der Heimat.
Ende der 50er Jahre sah Albert Camus endlich Licht am Ende des Tunnels. Er ließ sich mit seiner Frau Françine und den Kindern in der Provence nieder, in dem Dorf Loumartin mit Blick auf die Bergkette des Lubéron, ganz in der Nähe seines Freunds René Char. «Das heftige Licht und die unendliche Weite begeistern mich.» Von seinem geliebten Loumartin aus brach er mit den Gallimards in den ersten Januartagen 1960 zu seiner letzten großen Reise auf …
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