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Der Untertitel seines jüngsten Buches verrät aufs Schönste, mit welcher Art von Zuspruch Abtprimas Notker Wolf seine (Leser-)Gemeinde zu versorgen gedenkt: mit «Einfällen und Eingebungen für das Leben hier unten». Entstanden sind sie als wöchentliche Kolumnen für eine große Frauenzeitschrift, hier sind sie nun zum ersten Mal versammelt. Shortcuts vom Abt: klug, einfühlsam und tröstlich, kämpferisch und aufrüttelnd – aber nie moralinsauer.
Der Münchner Merkur nennt ihn «einen Menschenfreund, der ohne Scheu klare Worte spricht». Er ist Philosoph, Rockgitarrist (mit einem Faible für AC/DC-Fetzer wie Highway to Hell) – und höchster Repräsentant des Benediktiner-Ordens, der 800 Klöstern und Abteien weltweit vorsteht. Aller klaren Worte zum Trotz ist Aus heiterem Himmel ein Besinnungsbuch und keine Kampfschrift – und die Themen sind überraschend vielfältig.
So fragt Abtprimas Notker sich (und uns), ob man der Pop-Ikone Madonna wohl Gotteslästerung attestieren müsse, weil sie bei einer spektakulären Performance mit Dornenkrone posierte. (Nein, empört sei er über diese Geste nicht. Aber er habe den Eindruck, dass Madonna diese Symbole «nur zur Hälfte» verstehe.) Oder gegen die Melancholie der dunklen Tage des Jahres? (Singen! Am besten Kirchenmusik, weil diese uns erlaube, «aus vollem Herzen zu klagen und aus vollem Herzen zu jubeln».)
Viele der meist nur zwei Seiten langen «Einfälle» setzen sich mit den wirklich existentiellen Fragen auseinander. Wieso etwa lässt Gott Flugzeugabstürze, Hungersnöte und Völkermord zu? «Ich glaube, dass eine Welt ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Not unbewohnbar wäre. Nicht auszuhalten. Weshalb? Weil sie eine Welt ohne Mitleid und Erbarmen wäre. Eine Welt, bevölkert von gnadenlosen Egoisten und Siegertypen. (…) Nur weil wir täglich unsere Verletzlichkeit erleben, lernen wir, dass wir aufeinander angewiesen sind. Was uns zu mitfühlenden Menschen macht, das ist das Leid, das wir lindern können.» Das ist die wahre conditio humana.
Was den Abt wirklich in Rage bringt, das sind Perversionen wie Killervideospiele zum Beispiel: «Ein Bub, der sich so etwas täglich reinzieht, gewöhnt sich an Brutalität. Und irgendwann empfindet er bei Gewalt Freude statt Abscheu». Oder das makabre Spektakel um Spendernieren, von der holländischen TV-Produktionsfirma Endemol zur besten Sendezeit inszeniert: «Wie hat man sich die Nieren-Show jetzt vorzustellen? Der schönste Kranke gewinnt? Oder der, der trotz Todesangst im Nacken die flottesten Sprüche macht? Oder der, der am verzweifeltsten wirkt?»
Übrigens äußert sich der Abtprimas auch zu Themen, die man von einem Ordensmann nicht unbedingt erwartet. Zum Beispiel über Busenvergrößerungen bzw. -verkleinerungen. Oder über Highlights der Populärkultur wie «Deutschland sucht den Superstar». Dem äbtlichen Resümee ist nichts hinzuzufügen: «Eigentlich braucht man Dieter Bohlen nicht.» Und damit zurück ins Funkhaus.