![]()
DAS BUCH. Den «großen DDR-Buddenbrooks-Roman nannte Iris Radisch in der ZEIT Eugen Ruges Debütroman, der mit dem Deutschen Buchpreis und dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Die Geschichte der kommunistischen Dynastie der Powileits wird aus der Perspektive von vier Generationen erzählt. Ein Blick auf ein halbes Jahrhundert deutsches Leben – und immer ist im Hintergrund ein Fenster zur Weltgeschichte offen: Exil, Untergrund, 17. Juni, Kalter Krieg, Mauerbau, Gorbatschow, Wende.
Eugen Ruge erzählt von einem Land, das die jüngste Generation nur noch aus Schulbüchern kennt: der DDR. 1952 Rückkehr von Alexanders Großeltern, Kommunisten der ersten Stunde, in ein Land, das fest im Griff der SED und ihres Parteiapparats ist. 1961: Rückkehr der Eltern in das inzwischen eingemauerte Land. 1973: Alexanders Einberufung zur NVA. Fixpunkt des Romans ist der 1. Oktober 1989, der Tag, an dem sich alle Fäden kreuzen: der 90. Geburtstag des Großvaters, des verdienten Altgenossen Wilhelm Powileit ¬- ein Familienfest der bizarren Art («Saurier-Party» nennt es der Urenkel). Ruge entrollt das Panorama eines untergegangenen Landes, in dem Abstrakta wie Plenum, Parteidisziplin, revisionistische Kritik, Hauptfeind usw. ihre Gewalt entfalteten.
DAS ZITAT. «Was machte Wilhelm? Hielt irgendwelche geheimen Versammlungen ab, da unten in seiner Zentrale, plante irgendwelche ‹Operationen›. Zu den letzten Kommunalwahlen hatte er eine motorisierte Einsatzstaffel organisiert, um denjenigen, die am frühen Nachmittag immer noch nicht gewählt hatten, Agitatoren auf den Hals zu schicken: Den ganzen Rasen hatten diese Trottel zerfahren! Seine neueste Idee: die Lokomotive für Kuba. Neuendorf, mit seinen nicht einmal zehntausend Einwohnern, sollte das Geld für eine Diesellok aus dem Karl-Marx-Werk aufbringen. (…) Unglaublich, wie er die Leute einzuwickeln verstand, dachte Charlotte. (…) Er schenkte Cuba Libre aus, und schon glaubten alle, er kenne Fidel Castro persönlich! Und wenn er Nescafé auf «mexikanisch» trank (was nichts anderes hieß, als dass er das Pulver zuerst mit Kaffeesahne anrührte, sodass dann eine kleine Schaumkrone auf dem Kaffee entstand) und dazu eine russische Papyrosse rauchte, war eigentlich allen klar, dass Wilhelm in Mexiko das sowjetische Geheimdienstnetz aufgebaut hatte. Wenn die wüssten, dachte Charlotte.»
DIE GEWINNSPIELFRAGE. Alexander, Protagonist von Ruges Roman, fliegt mit fataler Krebsdiagnose im September 2001 in das Exilland seiner Großeltern. Um welches Land handelt es sich?
T: Mexiko
Z: Brasilien
G: Chile
DER LINK ZUR LÖSUNG ... http://www.rowohlt.de/artikel/2964457