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DAS BUCH. William H. Gass’ Roman Der Tunnel ist ein Meisterwerk, die Summe seines literarischen Lebenswerks: eine «Great American Novel», ausgezeichnet mit dem National Book Award. 1995 erschien der Roman in den USA (schon damals war er eine Legende), und nun, noch einmal 16 Jahre später, auch bei uns. Erzählt wird von dem Naziforscher William Frederick Kohler, einst bei den Nürnberger Prozessen Sachverständiger für «dirty Fascist things» im Auftrag der US Army. Sein ganzes Leben hat er dieses Thema obsessiv umkreist, um am Ende den Faschisten in sich zu entdecken: Kohler, der Ich-Erzähler mit deutschen Wurzeln und deutschen Abgründen, ist Professor an einer Universität im Mittelwesten,hat soeben seine gelehrte Studie «Schuld und Unschuld in Hitlers Deutschland» vollendet. Nur die Einleitung fehlt noch, ein Kinderspiel – eigentlich.
Was er dann wirklich schreibt, ist das komplette Gegenteil seiner sauber argumentierenden, historisch fundierten Geschichte des Dritten Reichs: eine trübe ideologische Brühe über den «Faschismus des Herzens», eine Abrechnung mit sich selbst, voller Lügen, Wutausbrüche und Tiraden. Und während er schreibt und schreibt, gräbt er in seinem Keller einen Tunnel, für den es weder einen Zweck noch eine Erklärung gibt …
DAS ZITAT. «In jedem Tagebuch ist der Tod gegenwärtig. Ich habe ihn dort gefunden, wie ich so viele Worte gefunden habe, still und vergessen wie alte Schuhe, die in einem Schrank steif werden, oder von meinem Blick aufgestört wie eine Spinne in einem Werkzeugkasten, als würde ein kleines Metallstück lebendig. Gab es in meiner frühen Kindheit keinen Tag, an dem ein solches Erschrecken meine Glieder hätte auseinanderfahren lassen? Ich nehme mein abgelegtes Leben im siebenundsechzigsten Jahr dieses katastrophalen Jahrhunderts wieder auf; einem von Unvernunft windigen und von Unsinn und sinnloser Betriebsamkeit lärmenden Jahr; einem Jahr, das wie das vergangene gut in ein Jahrzehnt passt, das in Moral versinkt wie ein Zirkus im Morast und mit Tinnef bestückt ist wie ein Rummel. Vielleicht ist es nur ein zertrampeltes Paket auf der Straße – dieses Leben, das ich wieder aufnehme – und mein Schreiben der Versuch, es verstohlen auszuwickeln.»
DIE GEWINNSPIELFRAGE. Wann begann William H. Gass mit der Niederschrift seines Opus Magnum Der Tunnel?
M: 1965
N: 1975
P: 1985
DER LINK ZUR LÖSUNG... http://www.rowohlt.de/artikel/2976508