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Anton J. Gail

Erasmus von Rotterdam

Renaissance und Humanismus haben Europa wesentlich zu dem gemacht, was es ist, vor sich selbst und im Urteil der Welt. So markant nämlich die italienische Erbschaft sein mag in dem, was wir als Renaissance und Humanismus begreifen: europäisch ist ihr Profil, weil der Norden kaum weniger beteiligt an ihrer Entwicklung war als der Süden. Burgundische Kultur, niederländische Devotio moderna, das England der Tudorzeit haben Züge eingebracht in ihr Bild, die über die ästhetische und nationale Selbstgenügsamkeit hinauswiesen. Das ist der Unterschied: während Italien eine renascentia literarum auslöste, eine Neubegründung künstlerischen Schaffens, in paganer Unbeschwertheit, strebte man im Norden danach, antike Philosophie und Geist des Evangeliums zu vereinigen.

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