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Matthias Jung: Meine erste Ampel

© Matthias Jung

Gehören Sie auch zu denen, die «Landlust? Nein danke!» sagen und dem Landleben adé sagen wollen? Dann haben wir etwas für Sie: Brandheiße Überlebenstipps für alle Großstädter und Möchtegern-Großstädter! Sie erfahren, ob «Küsschen links, Küsschen rechts» die adäquate Begrüßung von Taxifahrern ist, worin der Unterschied zwischen einem Club und der Dorfdisco besteht und wie man mit internationaler Küche zurechtkommt – getreu dem Motto: «Sushi? Mir egal, Hauptsache Fleisch.»
Der Comedian und Kabarettist Matthias Jung («7 Tage, 7 Köpfe», «Quatsch Comedy Club») hat den ultimativen Stadtführer für Landeier geschrieben: Raus aus Hüffelsheim, rein in die Großstadt – getreu dem Motto: Ich bin ein Landei, holt mich hier raus!


Es gibt gute Gründe, Hotel Mama endlich den Rücken zu kehren und wegzuziehen. «Matthias: Mutter …, Vater …, ich zieh in die Stadt! – Mutter: Ach du Schande, Bub. Wer fährt denn jetzt mit mir zum Aldi?» Mutters Konsterniertheit wird bald frohgemutem Aktionismus weichen: Sie braucht des Bubs Zimmer als Basisstation für ihren neuen Vorwerk-3000-Staubsauger. Passt doch.

… sagt die Landmaus zu der Stadtmaus

Also ab in die weite Welt! Und die heißt für Matthias Jung Köln. Für einen Hüffelsheimer ist das schon ein gigantischer Sprung. Das Dörfchen Hüffelsheim gehört zur Verbandsgemeinde Rüdesheim im Landkreis Bad Kreuznach (also tiefstes Rheinland-Pfalz) und ist so klein, dass es beim Verlust des Haustürschlüssels billiger ist, gleich das ganze Dorf nachmachen zu lassen. Soooo klein ist Hüffelsheim, dass sich jedes normale Navi vor Entsetzen biegt: «Muss ich da wirklich mit?» resp. «Warum bin ich kein Toaster geworden?»

Zu den erstaunlichsten Entdeckungen in der Großstadt gehören neben Ampeln, Kreisverkehren und Straßen mit Mittelstreifen vor allem mehrstellige Hausnummern. Jungs Vater war derart überwältigt von dieser dschungelartigen Dimension großstädtischen Lebens, dass er sie unbedingt auf einem T-Shirt festhalten musste: «Köln – Venloer Straße 1453 – ich war dabei!»

Verblüfft entdecken Landeier, dass Städte nicht nur größer und weiter, sondern auch höher sind. Da muss man nicht nach Dubai reisen (Burj Khalifa: 828 Meter), da reicht schon Köln (Dom: 157,38 Meter), um einem Hüffelsheimer eine gehörige Portion Nackenstarre zu verpassen. Schließlich ist das höchste heimatliche Gebäude der Hochsitz von Förster Heini (4,12 Meter), gefolgt von Bauer Josef (mit stattlichen 2,14 Meter ein Baum von einem Kerl).

Autoreninfo

Matthias Jung, Jahrgang 1978, lebt mit seiner Familie in Mainz. Nach seinem Pädagogikstudium arbeitete er als Comedy-Autor u.a. für «7 Tage 7 Köpfe»...
mehr über den Autor
Darauf eine Rhabarbersaftschorle!

Nicht immer lautet die Frage: Besser oder schlechter? Manches ist in Großstädten schlicht und ergreifend einfacher (und risikoloser). Ob in Köln, Hamburg, München oder Berlin, hier können sie überall jede nur erdenkliche Saftschorle bestellen. Aber «ordern Sie mal in einer Männerrunde in Hüffelheims ‹Goldenem Ochsen› eine Rhabarbersaftschorle! Das ist keine Getränkebestellung, das ist eine Mutprobe.»

Meine erste Ampel ist der einzige Stadtführer für Landeier, mit Dutzenden von Outsider-Tipps, die sich im Dickicht der Großstadt als absolut überlebenswichtig erweisen. Der Crashkurs in Sachen Großstadt liefert nützliches Wissen aus folgenden Bereichen: Verkehr – Essen & Trinken – Einkaufen – Stadt & Leute – Institutionen, Polizei & Ärzte – Kinder – Sport – Computer, Internet & Co. – Feiern & Ausgehen – Männer & Frauen.

Keine Angst: hier wird Landleben nicht idealisiert, weder schöngeredet noch schöngeschrieben. Leben am Arsch der Welt hat nichts zu tun mit romantischen Spinnereien wie «letztes Idyll», wer weiß das besser als Matthias Jung! «Ich will ehrlich sein. Auch bei uns auf dem Land ist natürlich nicht immer alles ‹schöne heile Welt›. Vor ein paar Jahren zum Beispiel wurde Hüffelsheim von einer richtigen Einbruchserie erschüttert. Obwohl man sich dabei schon fragt, wer so verzweifelt ist, in Hüffelsheim einzubrechen. Da muss der Einbrecher ja allein 200 Euro erbeuten, um überhaupt das Benzingeld wieder herauszubekommen.»

Alles eine Frage der Kommunikation

Apropos Stadt, Land & Mutti. Wer vom Land in die große Stadt kommt, hat in der Regel mit einer Sache so seine Probleme: die Frau resp. den Mann fürs Leben kennenzulernen. Eine feine Neuerung in Sachen Kontaktanbahnung ist da das Speed Dating: Man hat exakt sieben Minuten Zeit, sich ein Bild von seinem Gegenüber zu machen. Dann weiß man: Daumen hoch, Daumen runter. Der Autor hat sich insgesamt dreimal als Speeddater versucht. Seine Bilanz: «Von den sieben Minuten habe ich etwa anderthalb geredet, das jeweilige Mädel eine und meine Mutter die restlichen viereinhalb. Und es hat sich gelohnt: Sie steht noch immer mit zwei der Mädels in Kontakt.»